Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, elfter Jahrgang 5625 (1864/65) (1865)
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 192 (sequence 212)
- Language
- German
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192 weine Eidesformel: „ich schwöre" unter Aufhebung der Hand, wird fortan als genügend anerkannt. Die inneren Zustände sind jedoch im Allgemeinen nichts weniger wie als besonders erfreulich zu bezeichnen. In München, Fürth, Bamberg und vorzüglich in Baireuth und Augsburg sungiren wackere Rabbinen. die mit dem Geiste der Zeit fortschreiten; im Uebrigen treiben auch in Baiern die Dunkelmänner ihr Unwesen, und namentlich lassen die Schulen viel zu wünschen übrig. Bei der letzten Münchner Ausstellung erwarb sich das Bild eines jüdischen Künstlers in der Behandlung eines jüdischen Gegenstandes viel Lob. Das Bild, von welchem der Carton ausgestellt war. stellt Moses vor. wie er vom Horeb herabschreitend das goldene Kalb erblickt und die zwei steinernen Tafeln ergreift, um sie zu zerschmettern. Der Künstler Adolf Pichler ist Schüler der bairischen Akademie und Sohn eines Dajan in Ungarn, der erst im 18. Jahre das Talmudstudium verließ, um seiner Neigung zur Kunst zu folgen. In Würtemberg hatte die zweite Kammer sich für die Zulassung der Mischehe erklärt, die erste Kammer verwarf sie aber. Das Institut einer Oberkirchenbehörde wurde aufgelassen. In Beziehung aus die Liturgie herrscht auch in dem kleinen Staate keine Einförmigkeit. Nur drei Gemeinden bedienen sich der Orgeln beim Gottesdienste und haben sich der Stuttgarter Liturgie angeschlossen. In Ulm und Heilbronn beschäftigt man sich mit der Errichtung von Synagogen. Die Armenunterhaltung soll den bürgerlichen Gemeinden zugewiesen, der Judeneid aufgehoben werden. In Baden ist die Gleichstellung eine so vollkommene geworden, daß Richterämter an Juden vergeben werden.