Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, elfter Jahrgang 5625 (1864/65) (1865)
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 156 (sequence 176)
- Language
- German
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156 Juden auszunehmen, weil dadurch die christlichen Theilnehmer verkürzt würden. Die niederösterreichische Regierung glaubte, „daß bei Witweninstitnten, die nur die Unterstützung der bedürftigen Menschheit zum Zwecke haben, die Religion gar nicht in Betracht zu kommen habe". Der Präsident der niederösterreichischen Regierung und die Regierungsräthe Gras Dietrichstein und Herb er stein waren der Meinung, es wäre den Facultäten das höchste Mißvergnügen über ihre Intoleranz zu erkennen zu geben, denselben die Billigkeit des Gesuches begreiflich zu machen und ihnen vorzustellen, daß sie durch die Ausnahme der jüdischen Doctores dem Wunsche Sr. Majestät Nachkommen würden. Doch die Hofkanzlei meinte, man dürfe in Privatrechte nicht eingreifen. all 11. fand man es angemessen, die Bitte der Vertreter zurückzuweisen. Sie könnten sich sonst für eine „Mittelstelle" halten. . Die Vertreter haben das zu thun, was ihnen aufgetragen wird, darin bestehe ihre Instruction. Seit jener Zeit haben die Vertreter in dieser Sache wiederholentlich petitionirt, bis endlich eine bessere Zeit hereinbrach. In derselben Weise, wie die Vertreter bestrebt waren, die politische Stellung der Juden nach Außen hin zu verbessern, richteten sie ihre besondere Aufmerksamkeit aus die inneren Zustände. Die wichtigste Aufgabe, die zunächst zu lösen war, bestand darin, Schule und Gotteshaus herzustellen. Mittelst kaiserlicher Entschließung vom 8. Hornung 1811 wurde in Folge der Bitten der Vertreter gestattet, ein Haus zu Schulzwecken anzukausen und bekanntlich wurde der „Dempfingerhof" angekaust.