Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, zehnter Jahrgang 5624 (1863-1864) (1864)
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 206 (sequence 230)
- Language
- German
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206 ein unverlöschliches Merkmal ausgeprägt, und wie man noch heute von dem athenischen Bauer erzählt, der aus bloßem Verdruß über den Ruhm des Aristides den Namen des Gerechtesten seiner Mitbürger aus die verhängnißvolle Muscheltafel auszeichnen ließ, so wird man jenes Votums gedenken, so lange der Name Gabriel Riesser's, eines der lautersten und unabhängigsten Charaktere aus den ersten Anfängen unseres politischen Lebens, mit Dank und Anerkennung in deutschen Landen wird genannt werden. Und er wird fortleben, dieser Name, das große Talent wird von dem größeren überholt. Mehr aber als Alles, was er gethan und geredet, was er erarbeitet und erstritten, hat der innerste Kern seiner Persönlichkeit auf die Zeitgenossen gewirkt. Unbeirrt von Allem, was so Biele lockt und blendet hat er das verworrene Getriebe von Welt und Menschen mit fiegreicher Klarheit und Wahrheitsliebe durchschaut, weil er in dem eigenen Innern zu Hause war. In den Mitteln mochte er irren und sehlgreifen, niemals in den Zwecken; denn diese Zwecke waren ein Stück von seinem Selbst und sich selber konnte er nicht untreu werden. Darin aber und nur darin liegt die Bürgschaft der Dauer. Bei seiner letzten Anwesenheit in Berlin, um Neujahr, sah er leidend und verfallen aus. In den ersten Tagen des April wurde er durch eine Geschwulst auf der Wange, die sich bald als ein Karbunkel auswies, das Zimmer zu hüten genöthigt. Er ließ sich von der Krankheit nicht abhalten, seine Zeit, wie immer, zwischen Arbeit und Verkehr mit Freunden zu theilen. Nur der liebevollen Sorgfalt einer edlen Jugendfreundin, die seine Pflege überwachte, gelang es, ihm einen bequemen Hausrock aufzudringen, den der scheinbar so behagliche Mann sich bisher nicht vergönnt hätte. In der