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Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1864-01-01 · Neue Folge, zehnter Jahrgang 5624 (1863-1864) (1864) · p. Seite 196

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Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
Neue Folge, zehnter Jahrgang 5624 (1863-1864) (1864)
Date
1864-01-01
Page
Seite 196 (sequence 220)
Language
German
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IRI
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196 Endlich, am 28. August, warf Moritz Mohl einen Handschuh hin, den Riesser ausnehmen mußte. Mohl hatte zu §. 13 der Grundrechte einen Verbesserungsantrag gestellt, der dem Mittelalter eine Hinterthüre offen halten sollte, indem er die „eigentümlichen Verhältnisse des israelitischen Volksstammes einer besonderen Gesetzgebnng durch das Reich" vorbehielt. Alle verkehrten Argumente, die jemals vom Standpunkt der engherzigsten volkswirtschaftlichen Doetrin vorgebracht worden sind, um die Gefährlichkeit der Juden für die Interessen des Landmanns und des kleinen Handwerkers zu erweisen, drängte Mohl in einer leidenschaftlichen Rede zusammen. Zum erstenmale bestieg Riesser die Rednerbühne und wies den schnöden Angriff mit einer Hoheit und Ueberlegenheit zurück, welche ihm die Herzen der ganzen Versammlung und, wie Biedermann berichtet, mit einem Male den Ruf eines der besten Redner der Paulskirche gewann. „Riesser's Stärke als Redner", sagt derselbe Berichterstatter „beruht hauptsächlich auf einem starken sittlichen Pathos, daneben auf einer scharfen Dialektik und einer geistreichen ich möchte sagen, sinnigen Weise, moralische und politische Wahrheiten aus der umhüllenden Schale verworrener Thatsachen wie einen leuchtenden Stern in großartiger Einfachheit und Klarheit hervortreten zu lassen. Er besitzt ein außerordentliches Feingefühl für alle, auch die verstecktesten Verzweigungen sowohl des ihm gleichartigen Edlen, als des ihn abstoßenden Schlechten und Gemeinen und er weiß mit wunderbarer Kunst für jenes die lebendigsten Sympathien, für dieses die tiefste Entrüstung in den Herzen seiner Hörer zu entzünden." Wenige Tage später, am 7. September, wurde er in den Verfassungsausschuß, am 2. Oktober neben Gagern und Simon in das Präsidium der Reichsversammlung gewählt.

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