Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, zehnter Jahrgang 5624 (1863-1864) (1864)
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 171 (sequence 195)
- Language
- German
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171 Galacz entnehmen, wonach das häufige Vorkommniß von Scheidungen in Galacz den dortigen Rabbinern, selbst in der Absicht, Sporteln zu erlangen^ zugeschrieben wird. Zn Serbien ist nach den Verfolgungen und Austreibungen der Juden, die im vorjährigen Juni stattfanden, wieder Ruhe eingetreten, und blieb die Verwendung des Hauses Rothschild, das auch den Verunglückten sehr reichliche Spenden zufließen ließ, nicht ohne Erfolg.. Ueberall und namentlich in Wien erweckte das Schicksal der Vertriebenen lebhafte. Theilnahme. Die benachbarte österreichische Grenzprovinz hatte den Flüchtigen — allerdings nur temporär— Asyl gewährt. Auf den jonischen Inseln haben sich die Verhältnisse freundlicher gestaltet. In Zante fielen die Thore des ehemaligen Ghetto's, und ein Jude wurde in die Commission gewählt, welche den Wünschen der Republik Ausdruck geben soll. Der Präsident des jonischen Parlaments selbst hat im vorigen Jahre ein Buch herausgegeben: „Ursprung und Gesetzgebung der Hebräer", welches in einem sehr liberalen Geiste abgefaßt ist. Das Bedeutendste, das sich in der Türkei ereignete, war eine im März d. I. in Smyrna ausgebrochene Juden- Verfolgung. Wieder gab das schauerliche Ammenmährchen dazu Anlaß. Unter den Griechen verbreitete sich das Gerücht, daß die Juden ein Kind geraubt und ihm die Hand abgehauen hätten, um das Blut zu Mazzoth zu gebrauchen. Viele Juden wurden mißhandelt und beschimpft. Das Gerücht entstand dadurch, daß ein getaufter Jude, Lehrer an einer protestantischen Missionsschule, ein Kind zur Strafe länger in der Schule zurückgehalten hatte; natürlich wurde das Kind sehr bald unversehrt wieder erblickt. Bemerkenswerth