Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, zehnter Jahrgang 5624 (1863-1864) (1864)
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 61 (sequence 85)
- Language
- German
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61 sich selbst zu Mästen und veranlaßten ihre „Hofjuden" zu einem Aufwand. den sie sonst füglich unterlassen hätten. Das Fest we'ches wir als Seitenstück zu Rothschilds Jagd unsern Lesern vor ühren wollen, verletzt uns in die preußische Hauptstadt und in das letzte Lebensjahr des zweiten preußischen Königs Friedrich Wilhelm I. Er war bekanntlich nicht nur ein ausgemachter Gegner alles Aufwandes, sondern sogar von einem Geize besessen, der oft ans Unglaubliche grenzte, wie sich das deutlich aus der Correspondenz ergibt, welche er mit seinem „ungerathenen" Sohne, dem großen Friedrich jührte. Freigebig war er nur, sobald es seine Soldaten betraf — um diese so glänzend als möglich aufmarschiren zu Lassen, scheute er die größten Summen nicht und schien ihm keinerlei Steuer zu hoch — und wenn es galt, gekrönten Häuptern zu imponiren. Um sich und seinem Hofe einmal eine Kurzweil zu verschaffen. wurde die Berliner Judenschast herbeigezogen : auf besonderen Befehl mußte in dem in der Spandauer Straße gelegenen Hause des bekannten Münzmeisters Ephraim Beitel am siebenten Januar 1740 eine große Feier stattfinden. Kommt der bei dieser Gelegenheit „auf höchsten Befehl" entfaltete Luxus dem der Rothschild'schen Jagd auch nicht gleich, so müssen die damaligen Verhältnisse und Persönlichkeiten, der hohe Gast und der einäugige Gastgeber in Betracht gezogen werden. So viel ist gewiß, Ephraim hatte Alles prächtig arrangirt. Das Haus war zu beiden Seiten mit sehr kostbaren Tapeten behängen und das Innere desselben war gleichsam in einen Bazar verwandelt. In dem einen Zimmer hatten verschiedene jüdische Kaufleute allerhand kostbare Brabanter Spitzen feil, in einem andern waren Galanteriewaaren ausgelegt, dem gegenüber zur linken Hand befand sich ein Saal mit reichen fran-