Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, zehnter Jahrgang 5624 (1863-1864) (1864)
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 42 (sequence 66)
- Language
- German
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42 auch sehr unhaltbare Dinge sagen zu lassen, so gilt das in einem noch höheren Grade von Philo. Er hatte nicht blos eine reiche Erbschaft von großen Wahrheiten, sondern auch von Jrrthümern überkommen, und er hatte entweder der Erbschaft ganz und gar entsagen müssen, und dann wäre heute von ihm als einem vollständig armen Manne nicht viel die Rede, oder er mußte sie ganz annehmen und das Gold der Wahrheit mit dem Blei des Jrrthums zusammen nach Hause tragen. Diese Bedenken waren für mich stark genug, um sie auszusprechen, nicht aber stark genug, um mich zu verhindern, mein unvollendet gelassenes Thema zu Ende zu bringen. Denn, offen gestanden, ich halte nicht viel von der sogenannten Unpopularität der Philosophie. Höchstens gilt das von ihr, wo sie im Schwertritt ihres ganzen wissenschaftlichen Rüstzeuges einhergeht. Dagegen werden Fragen über Gott und über das Verhältniß des Menschen zu ihm, Fragen über unsere Bestimmung und über den Sinn unseres Erdenlebens auch bei dem lebhaftesten Interesse für Detailswissen das Menschenherz beschäftigen, so lange es den Anspruch erhebt ein Menfchenherz zu sein, so lange es sich nicht damit einverstanden erklärt, auf eine Linie gestellt zu werden mit Wesen einer anderen und niederen Ordnung. Und so wenig befriedigend auch bisweilen die Antwort Philo's auf solche und ähnliche Fragen ausfällt, so sichert ihm doch die Mühe und der Ernst, mit dem er an so wichtigen Interessen des Menschengeschlechtes sich betheiligt, unsere Verehrung, und wo er dessen bedarf auch unsere Nachsicht zu. So gehe ich denn getrost an die Fortsetzung des einmal Angefangenen, und behandle die drei Fragen: Was hat Philo geschrieben, welches ist der Inhalt seiner Schriften oder