Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, neunter Jahrgang 5623 (1862-1863) (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 303 (sequence 323)
- Language
- German
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bis er müde ward, hie und da mit Anknüpfung an die bereits erwähnten, in ihm gleichsam stehengebliebenen Worte vom „Unglücke der Babe und ihrer Granatenschnur". Eines Freitags kam Christian wieder. Er war meilenweit gegangen, um nach dem Befinden des Pflegevaters zu sehen. Wie aber Wolf Ungar ihn erblickte, schien ein Strahl Hellen Bewußtseins seine zerstörte Seele zu erhellen; er schrie auf und ballte gegen Christian drohend die Fäuste. „Reißt sie aus einander," heulte er, „wie einen Fisch ... das Unglück ist da . . . auseinanderreißen . . . Fort, fort!" Sarah ersah kein anderes Mittel der Beruhigung, als daß sie Christian mit dem Finger winkte, sich aus der Stube zu entfernen. Als sie nach einer Viertelstunde in das Vorhaus hinaustrat, fand sie ihn, den Kopf an die Thürpfoste gestützt, bitterlich weinen. „Was fehlt Dir, mein guter Christian," fragte sie „und warum weinst Du?" „Was habe ich ihm gethan," rief er unter Schluchzen, „daß er mich nicht leiden kann?" „Er ist schwer krank," sagte Sarah, mit der Hand Christians Schulter berührend; „willst Du mit einem Kranken rechthaberisch sein? Und doch mußt Du mir einen großen Gefallen erweisen!" „Sprich!" „Du darfst jetzt eine Zeitlang nicht kommen, und mußt fort... Wenigstens so lange als er krank ist. komm nicht... Wenn die Zeit da ist, wo Du wieder kommen darfst, werde ich Dir es sagen lassen." Und ohne eine Antwort abzuwarten, ging sie wieder in die Stube zurück. — Es war Nacht geworden, als Christian aus dem Hause ging; aber die Nacht waltete nur zwischen Himmel und Erde, nicht in zwei Menschenherzen, über die es mit aller Macht des Abschiedes gekommen war. Was ringt sich hinter dem Synagogenhofthor von