Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, neunter Jahrgang 5623 (1862-1863) (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 287 (sequence 307)
- Language
- German
- Belongs to
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287 Geschenke zurechtgeschneidert hatte. Seltsam! Lea zeigte nicht die geringste Betrübniß; sie gab ihrem alten Gespielen das Geleite über den Shnagogenhof, und ging dann lustig trillernd wieder in das Haus zurück. Wolf Ungar aber legte die Hand auf den Kopf des Knaben, es blieb unentschieden, was er damit ausdrücken wollte, und ließ ihn dann weiterziehen. Auch Christian war nicht so bewegt, als Sarah angenommen hatte. Freute sich der junge Vogel, daß er endlich einmal flügge geworden? War ihm in ihrem Hause die Hast zu enge geworden? Sarah hatte darüber allerlei Gedanken, die jedock kaum aufgetaucht, wieder hinabstnken mußten in die tiefsten Bergniffe ihrer Seele. Es war früh am Morgen, und von der Kirchenglocke erscholl das Geläute zur Frühmesse. Sarah war mit dem Knaben durch die ganze „Gaffe" gekommen, da blieb sie vor einem kleinen Häuschen stehen, das die Grenze zwischen der Gaffe und dem Ringplatze bildete. Dort wohnte die alte BoLena. „Willst Du nicht noch einmal zu Boöena?" fragte Sarah. „Was soll ich dort?" „Vielleicht sagt sie Dir, was man zu thun hat, wenn man sich aus einen weiten Weg begibt und hat ein wichtiges Geschäft vor. Frage sie nur — ich werde indessen auf Dich warten." Christian ging in das Haus hinein und trat erst nach einer Viertelstunde aus demselben. „Was hat sie gesagt, die alte Bosena?" fragte Saraü. . „Sie hat gesagt, Du wärest die allerbravste Frau in der Welt, und dann hat sie mit mir gebetet," erzählte der Knabe., „Und jetzt laß uns gehen, Christian! wir haben einen weiten Weg vor uns." Es war beinahe Mittag, als die beiden Wanderer die Stadt erreichten, in der Christians künftiger Lehrmeister ini Maurerhandwerke wohnte. Ehe Sarah den Weg zu seiner Wohnung einschlug,