Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, neunter Jahrgang 5623 (1862-1863) (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 281 (sequence 301)
- Language
- German
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„Bist Du dessen so gewiß, Sarah?" fragte er nach einer Weile bebend vor innerer Erregung, „daß HonLa Schusters Kind so wird, wie Du Dir es vorstellst?" Sarah schüttelte den Kopf. „Zch weiß es noch nicht," sagte sie leise. „Und doch willst Du, daß HonLa's Kind mir ans Herz gewachsen sein soll?" „Zch Hab' mich einmal zu seiner Mutter gemacht," meinte Sarah, „und da muß ich auch hoffen und warten, daß das Kind gut wird." Wolf schwieg; seine Stirne war in Schweiß gebadet. Er suchte vergebens nach einem Ausgange aus diesem Wirrsal widerstreitender Gedanken und Gefühle. Da fielen ihm die am heutigen Bormittage beim „Benschen" gehörten Worte der Babe Breindel ein. „Es ist gegen die Natur!" rief er, wie von einer schweren Last aufathmend, „es ist gegen die Natur! Gott will nicht, daß das Lamm weidet neben dem Wolf und der Löwe neben der Taube sitzt. Es ist gegen die Natur und gegen das Blut, und es will sich nicht vertragen; es ist wie wenn Du in eine Milch Essig gießest. Und was gegen die Natur ist, davor hat Gott selbst eine Scheu, und es muß Unglück bringen." Und da er bemerkte, wie Sarah bei diesen Worten von einem schauer erfaßt ward, ermannte er sich noch mehr und rief mit der vollen Stärke seiner Stimme: „Ja! Unglück, und Gott der Lebendige soll uns beschützen und bewahren, daß es nicht zu bald kommt. Nur glaube nicht, daß es sich besinnen wird, wenn es kommen will. Der Blitz fährt nicht so schnell herunter, als so ein Unglück, und wenn Du dann weinen wirst, Sarah, dann sage ich Dir, es ist zu spät!" Sarah war still nach diesen Worten; dicke Thränen rollten über ihre Wangen herab.