Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, neunter Jahrgang 5623 (1862-1863) (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 253 (sequence 273)
- Language
- German
- Belongs to
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Er klappte dabei den ausgeschlagenen Folianten mit einer Heftigkeit zu, als hätte er ihm einfür allemal das Lebenslicht ansblasen wollen. „Auf meine Babe lasse ich nichts kommen," erlaubte sich Sarah leisen Tones zu bemerken. „Die meint es gut mit mir." „Und wie soll ich das verstehen, daß Du dann doch zu mir kommst?" rief Klein-Mendelsohn mit Zorn, die große» grauen Augen auf Sarah richtend. „Ich weiß es selbst nicht mehr," stammelte Sarah, „mir scheint, es war wegen dem Kind." Da wurde Klein-Mendelsohn wieder sanft und ruhig. Er mäßigte seine Schritte und blieb endlich vor einem offenen Bücherkasten stehen. Mechanisch griff er nach einem kleinen Buche, das zu oberst stand; er mußte sich auf die Fußzehen stellen, um es in die Hand zu bekommen. Er schlug es auf und blickte hinein; ängstlich bewachteSarah jede seinerBewegungen. Plötzlich erhellte ein Strahl von Freude sein Antlitz; das Buch zitterte in seiner Hand. „Du willst einenRath von mir," sagte er hastig, „und wenn ich Monate lange darüber hätte Nachdenken wollen, es wäre mir kein besserer eingefallen, als wie er da in dem Buche steht." Die Frau des Gemeindedieners sah ihn nach diesen Worten mit verwunderten Augen an. „Ist das Buch — in heiliger Sprache?" fragte sie zagend. „Du kannst Dich darauf verlassen," sagte Klein-Mendelsohn lächelnd, „es sind die Sprüche Salomons, die ich in der Haud halte." „Und wie kommen die zu mir?" fragte sie wieder. „ Das will ich Dir erklären. Wie Du wissen wirst, war König Ealomon ein sehr weiser Mann, von dem man noch jetzt viel lernen kann. Das Buch, was ich da habe, enthält ganz merkwürdige