Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, neunter Jahrgang 5623 (1862-1863) (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 240 (sequence 260)
- Language
- German
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240 einer Reihe neben einander standen, schlug den schweren Vorhang zurück, und nahm eine der ersten in die Arme. „Gib ße her, damit ich sie küsse," rief Sarah. Wolf reichte ihr die mit einem sammMen bunten Mäntelchen umkleidete Thorarolle, auf das sie mehrmals ihre Lippen drückte. „lind jetzt ziehe sie aus, Wolf, und blättere sie auf, als möchte man gerade „leinen" wollen" (den Wochenabschnitt vorlesen). Wolf that, wie sie ihm hiesi. „Was willst Du jetzt, Sarah?" rief er nach einer bangenWeile. „Jetzt sollst Du mir auf die Thora etwas schwören, Wolf!" rief sie mit erhobener Stimme. „Willst Du?" „Ich will." „So schwöre mir, daß ich diesem Knaben, den ich da an meiner Brust liegen habe, eine Mutter sein darf, weil er doch keine hat, und Du willst ihm ein Vater sein, weil der seine jetzt todt im Wasser liegt, und willst mir nichts dareinreden, wenn ich ihn wie mein eigenes Kind aufziehe und ernähre, und willst dein Wort halten, und wenn die ganze Welt aufsteht und Dir beweist, Du hast unrecht gethan, und willst mir niemals einen Vorwurf daraus machen, daß ich mich dieses armen Kindes angenommen. Schwör' mir dazu auf die heilige Thora!" Sarah hatte sich, während sie dieses sprach, erhoben; sie stand jetzt dicht neben ihrem Manne. „BedenkstDu nicht, Sarah," sagteer, schwach widerstrebend, „daß Hon»a Schuster der Vater dieses Kindes war?" Sie aber rief mit wundersam erhöhten Tone, der das Innerste ihres Mannes mit namenloser Bewegung ergriff: „Das Kind ist mein, als hätte ich es selbst geboren: und jetzt schwöre mir zu!" Wolf legte die Finger aus das geheiligte Pergament. „Ich Hab' geschworen, Sarah!" sagte er leise.