Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, neunter Jahrgang 5623 (1862-1863) (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 237 (sequence 257)
- Language
- German
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schwemmung war wie ein tückischer Dieb in das Heiligthum" des Schlafes gedrungen. „Fürcht'Dich nicht! Sarah, mein Gold!" riesWolf, „das S'chus (das Andenken) deiner frommen Mutter wird uns beistchen." „2a, Wolf, mein Leben," lallte sie dagegen mit vor Frost klappernden Zähnen, „sie muß uns beistehen." So setzten sie ihren Weg fort, den tiefsten Schreckeissim-Herzen und das gläubige Wort hoffender Zuversicht auf den Lippen. Das Wasser schäumte um sie und schoß an manchen Stellen bis an Brust und Hals empor. Aber sie rangen sich glücklich hindurch; schon fühlten sie die kalte Flut blos noch an den Knöcheln, jetzt hatten sie die höhergelegene Stelle erreicht, wo die Synagoge stand, bis wohin das Wasser nicht dringen konnte. Sie standen hochaufathmend aus festem Boden. Nun erst schauten sie hinter sich. Welch ein Fluten und Wogen! Die Nacht begann allmälig dem Morgengrauen zu weichen. Ein fahler Schimmer flog über die weite Waffermaffe; sie konnten jetzt deutlich auch ohne Laternenschein das kleine Haus gewahren, aus dem sie soeben entronnen waren. Im nächsten Augenblicke gewahrten sie nichts mehr, Ein dumpfes Krachen, wie von zusammcnbrechendem Gebälke schlug an ihr Ohr; dazwischen grauenhafte Todesschreie, dann ward Alles still. Die Geburtsstätte ihres Kindes, das Haus, worin noch vor kurzer Zeit sechs Menschenleben geathmet, war verschwunden, die Flut hatte es untergraben, nachdem es selbst zuvor für HonLa Schuster und dessen Frau zum Grab geworden war. So seltsam geartet ist die Menschennatur, daß die beiden aus so wunderbare Weise Geretteten in diesem Momentesnur ein Gefühl jubelvvllen Dankes empfanden. Aber gleich darauf rief Sarah: „Hast Du das Kind, Wolf?" „Ja! Was willst Du mit ihm?" „Gib mir den Knaben," ries sie, „die Last wird Dir zu stark."