Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, neunter Jahrgang 5623 (1862-1863) (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 169 (sequence 189)
- Language
- German
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169 leidend, suchte Dr. Mannheimer in Nizza und Mentone, wie im vorigen, so auch im letzten Winter Linderung seines tödtlichen Brustübels und war eben, von einem seiner Brüder geleitet, auf der Heimreise in das väterliche Haus, zu dem von diesen: Verluste schwer getroffenen Prediger der hiesigen Judengemeinde, Herrn Mannheimer, begriffen, als ihn am Sonntag der Tod hinraffte. Theodor Mannheimer, am 12. Februar 1827 in Wien geboren, hatte hier nach absolvirten Studien den Grad eines Doctors der Rechte erlangt, und hatte eben die Advocaturs- und Richteramtsprüfung abgelegt, als der Rückfall in eine schwere, sein Leben bedrohende Krankheit ihm die Fortsetzung seiner Arbeiten verbot. Die Aerzte glauben, daß Mannheimer durch seine vielen Fußreisen nach Italien, Schweden, Norwegen, Lappland, England, Deutschland und sein leidenschaftliches Besteigen der höchsten Berge Oberösterreichs, Tirols und der Schweiz den im sonst kräftigen Körper ruhenden Keim einer Brustkrankheit zur schnellen tödtlichen Reife gebracht. Wenn etwas geeignet ist, diejenigen, welche den Tod des begabten, in der Blüthe der Jahre dahingeschiedenen Mannes beklagen, zu trösten, so ist es die Erinnerung an die dreijährigen Leiden, welche er in seiner Krankheit getragen; seit drei Jahren hatte sich die Lebensgefahr bei ihm in Permanenz erklärt, und so ward Dr. Mannheimer auch seit dieser Zeit seiner sonst rastlosenThätigkeit entzogen. In der That kann man sich schwer einen Begriff von der Unermüdlichkeit machen, mit welcher Dr. Theodor Mannheimer zu arbeiten pflegte. Täglich mehrere Stunde» musikalischen Ucbungen hingegeben, keine bemerkenswerthe theatralische Erscheinung ignorirend, lag er gewissenhaft den Geschäften eines ersten Advocaturs-Cvncipienten ob, studirte dabei mit Eifer seine Fachwissenschaften, folgte den politischen Dingen mit großer Wachsamkeit, lieferte unserem Blatte die schätzbarsten Beiträge für das Feuilleton, sowie für den juridischen Theil, gewann auch noch Zeit, sich seinen Lieblingsstudien aus