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Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1862-01-01 · Neue Folge, neunter Jahrgang 5623 (1862-1863) (1862) · p. Seite 150

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Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
Neue Folge, neunter Jahrgang 5623 (1862-1863) (1862)
Date
1862-01-01
Page
Seite 150 (sequence 170)
Language
German
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150 „Er ist als mein Gast in meinem Hause gestorben/' sagte der Alte mit bebender Stimme, die die Hörer überraschte, „ohne Kinder zurückzulaffen, es ist an mir, ihm diesen Liebesdienst zu erweisen." Und so war der unglückliche Mann nach einem wirren und irren Leben, in dem er krank, ohne Liebe, ohne den Trost und die Hoffnung der Religion einsam dastand, ungekannt — ein Betrüger im Tode — in der heimatlichen Erde und mit ihm das Geheimniß seines Namens und seiner Geschichte eingebettet worden. Ein müder Vogel, den lange der Sturm Herumgetrieben, kam er heimgeflatlert, und dort, wo seine Wiege stand, wurde sein Grab geschaufelt. Die Mutter war ihm vorangegangen den Weg der Ewigkeit, aber der Vater, die Geschwister, fromme Männer seines Volkes standen au seinem Sterbebett, seinen aufsteigenden Geist in Gebete zu hüllen. Geboren als Jude, starb er als solcher im Schooße der Gemeinde, die ihn hinausgeleitete in's Reich der Ruhe! Der alte Mann aber ist seit dem Ereignisse in seinem Hause schweigend und trübsinnig geworden. Ost läßt er sich hinausführen aus den heiligen Ort, wo er leise an dem einsamen Grabe des Fremden betet. Dies Grab steht allein abseits von den übrigen Hügeln, denn Niemand kannte Jenen, der d'rin ruhet, und Niemand läßt seine Tobten hinlegen, ohne zu wissen, an wessen Seite sie den ewigen Schlaf schlafen sollen. Selten, wenn es der blinde Greis nicht thut, verirrt sich ein Besucher zum einsamen Grabe, einen Zweig oder eine Blume hinzulegen. Doch wird die Zeit endlich diese Entfernung ausheben und das brache Feld, welches das Grab von den Gräbern trennt, mit neuen Leichen besäen, denn der Tod zieht immer neue Furchen, senkt immer neue Saaten in die nimmersatte Erde, die wie Gott Saturnus ihre eigenen Kinder verschlingt, ohne sie jemals wieder zu gebe»!

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