Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, neunter Jahrgang 5623 (1862-1863) (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 136 (sequence 156)
- Language
- German
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136 hung der Straße anlangte, von wo aus seine Vaterstadt sich vor dem Blicke ausdehnt, da ballte er grimmig die Fäuste und schwur nie wieder die zu sehen, die ihn, noch so jung, hinausstießen in die wdite, weite Welt, zum Spiel der Wellen und Winde. Ein einsamer Wanderer ging Sender durch das Leben; kein Stern leitete seine Schritte, keine helfende Hand unterstützte ihn, keine Seele stand ihm bei. Die Stürme zausten ihn hin und her, trieben ihn vor- und rückwärts und warfen ihn zuletzt in die Tiefe jenes gewaltigen Reiches, das sich so mächtig über zwei Welttheile streckt und hundert Nationen beherbergt. Eine große Entfernung lag nun zwischen ihm und seinem engern Vaterlande — seine Heimat, seine Brüder lagen weit hinter ihm; Zeit und Entfernung hatten eine Kruste über sein Herz gelegt, in welchem alle Liebe erloschen ward und in dem nur die Bitterkeit ihre schwarzen Fluten wälzte. Wenn zuweilen Erinnerung die Gestalten der Vergangenheit heraufbeschwor und Bilder der Heimat vor seine Seelen traten, so kochte sein Blut, so knirschte sein Mund, so ballten sich die Fäuste, so schwur sein Herz Rache. Je härter das Schicksal gegen ihn verfuhr, je blutiger die Schläge waren, die er erlitt, desto mehr lockerte sich das Band, das ihn einst an die Seinen fesselte, desto tiefer griff seine Erbitterung um sich und härtete sich sein Gefühl zu Stein. Unstät wie ein Nomade pilgerte der junge Mensch von Ort zu Ort, keuchend unter der Last eines bleiernen Lebens, das ihn schier erdrückte und an seinen eben nicht reichen Kräften zehrte. Schon als Kind trug er den Keim eines Uebels in der Brust, das noch niemals seinen Sieger fand. Je tiefer ihn sein Schicksal gegen Norden trieb und je mehr Strapazen es ihm auflegte, desto rascher griff das Leiden um sich und desto grimmer dachte er Jener, die er als die Urheber desselben ansah. Er wollte sich rächen und rächte sich.