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Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1862-01-01 · Neue Folge, neunter Jahrgang 5623 (1862-1863) (1862) · p. Seite 87

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Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
Neue Folge, neunter Jahrgang 5623 (1862-1863) (1862)
Date
1862-01-01
Page
Seite 87 (sequence 107)
Language
German
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IRI
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87 In bedauerlicher Weise wurde in anderen Großgemeinden Ungarns eine durch die Umtriebe einer unverbesserlichen Fraction, die freilich dabei das Kürzeste zog, hervvrgerusen. So fand sich die Statthalterei in Ofen veranlaßt, die sogenannte magyarische israelitische Gemeinde in Grvßwardein aufzulösen und deren Synagoge und Schule zu sperren. Ebenso hat die k. Statthalterei in Stuhlweißenburg die separatistische orthodoxe Gemeinde aufgelöst und angeordnet, daß die renitenten Mitglieder zur Muttergemeinde steuern müssen. Jedoch steht es denselben frei, aus eigenen Mitteln eine eigene Synagoge zu unterhalten, ohne daß die Gemeinde und deren Institutionen verkürzt werden. Uebrigens dringt der Fortschritt auch in anderen Städten Ungarns immer mehr durch. Selbst in Preßburg, bekanntlich einem Hauptsitz des Zelotismus, geht man damit um, den großen Prüfungssaal der Todescosschen Anstalt in einen Betsaal zur Einführung des Wiener Tempelritus einzurichten. Die israelitischen Handwerksvereine zu Pest und Arad haben einen erfreulichen Fortgang; weniger läßt sich noch von der ihnen einverleibten Wirksamkeit der Beförderung des Ackerbaues unter den Israeliten berichten. In Agram und Warasdin wurden neue Synagogen eingeweiht. Bon Bedeutung ist dieLandeslehrerconferenz sämmtlicher israelitischer Lehrer Ungarns, welche am 27. und 28.April inPest stattfand, und wobei 150 Rabbiner und Lehrer anwesend waren. Den Kern der Debatte bildeten fünf Puncte: das Berhältniß der Lehrer und Gemeinden zu einander, die Creirung eines Pädagogiums, die Einführung eines geregelten Unterrichtssystems, die Gründung eines Lehrerpensionsfonds und endlich die Uebersetzung der Bibel in's Ungarische. Ob in solcher Magyarisirung der jüdischen Volksschulen Ungarns ein wirklicher Fortschritt liege, lassen wir vorerst dahingestellt.

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