Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, neunter Jahrgang 5623 (1862-1863) (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 84 (sequence 104)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2609281-2609298--5064-2612414- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
84 trotz der Einsprache einiger geistlicher und weltlicher Mitglieder, Dank sei es der ausschlaggebendenStimme des Polen Smolka, im confessionellen Ausschuß durchging. Der Bischof Litvinowitz hatte im Lause der Discuffion den Talmud angegriffen, ihm wurde jedoch von dem Vorstand einer anderen christlichen Confeffion eine sachgemäße Widerlegung. Die Meinungen waren so getheilt, daß fünf fünfen gegenüberstanden. Da ergriff Smolka das Wort. Er, der die galizischen Verhältnisse am besten kennt, stimmt für allgemeines Wohn- und Besttzrecht. Mit großer Majorität wurde der §., welcher die Aemterfähigkeit von dem Religionsbekenntniß unabhängig macht, angenommen. Die Juden Galiziens haben Smolka eine Dankadresse überreicht. Daß übrigens jenes noch stark angefochtene Religionsgesetz damit noch nicht durchgegangen ist, braucht wohl nicht erst gesagt zu werden; ja es bleibt zweifelhaft, ob es überhaupt noch in dieftr Session eingebracht werden wird. Eine Interpellation Mühlfeld's an den Minister Schmerj ling inBetreff des den jüdischenLehrern versagten Unterrichtes christ-!j licher Kinder in lebenden Sprachen wurde mit Hinweis auf die künftige Regelung der allgemeinen Verhältnisse beantwortet. ij Wenden wir uns nun zu den inneren Angelegenheiten, die unser Augenmerk gewiß nicht minder in Anspruch nehmen, als die äußeren. Wir hätten auch hier größtenthetls nur Befriedigendes zu berichten, wären wir engherzig genug, unfern Blick auf unsere nähere Umgebung, auf Oesterreich, Böhmen, Mähren und zum Theil Ungarn, zu beschränken. Allein mit Trauer sehen wir in anderen Gegenden, und namentlich in Galizien die Gemeinden noch in Finsterniß und Jndifferentismus verharren, und säst überall fehlt es da noch an tüchtigen weltlichen und geistlichen Vorständen. Die Thun-Bach'sche Periode hat durch Niedcrdrückung jedes Fortschrit-