Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, neunter Jahrgang 5623 (1862-1863) (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 82 (sequence 102)
- Language
- German
- Belongs to
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82 das Benehmen des dortigen Bürgermeisters bei Gelegenheit des im vorigen Herbste ausgebrochenen Judencrawalls nichts weniger als rühmenswerth. WoDorurtheile noch in solchen Schichten der Gesellschaft nisten, da ist es doppelt anzuerkennen, wenn Männer von Verdienst sich das Vertrauen ihrer Mitbürger zu erwerben wissen; so traten in den Prager Gemeinderath mehrere Juden ein, und in der Prager Handelskammer wurde Herr Max Dormitzer zum Vicepräfidenten ernannt. Aehnliches ist von anderen Städten zu melden; in Triest wurden zum ersten Male Stipendien an würdige israelitische Studirende vertheilt, und in Teschen errichtete selbst ein katholischer Geistlicher eine Stiftung für Studierende ohne Unterschied der Confession. Allerdings geht der Impuls zu solchen Kundgebungen zumeist von Wien aus, woselbst es auch unter der zehnjährigen Herrschaft des Concordats nicht gelang, eine gehässige Stimmung gegen die jüdische Bevölkerung zu erzeugen. Werden auch die eigenthümlichen Schwächen und Untugenden, welche leider auch noch so vielen besser erzogenen Juden ankleben, verlacht, so sind doch in keiner Hauptstadt so warme Sympathien für die Juden und ist man nirgends so geneigt ihren Stammesvorzügen Rechnung zu tragen, als in dem liebenswürdigen Wien. Diese Gesinnung, welche in der socialen Stellung der Juden in Wien hervortritt, gibt sich namentlich von jenen Bretern herab kund, welche die Welt bedeuten. Unverdienter Hohn wird nirgends geduldet, während dem reinmenschlichen, aufopfernden Benehmen überall Rechnung getragen wird. Wir freuen uns aber auch mittheilen zu können, daß die Zuden in Wien sich von dem Drange erfüllt zeigen, solchen Sympathien entgegenzukommen, und als aufgenommene Bürgerauch ihren Bürgersinn zu bethätigen. Ließ zeigte sich besonders bei Gelegenheit der letzten Ueberschwemmung, bei welcher zwei jüdische Gemeinderäthe, Mor. Pollak und Wilh. Frankl, sich so hervortha-