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Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1862-01-01 · Neue Folge, neunter Jahrgang 5623 (1862-1863) (1862) · p. Seite 36

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Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
Neue Folge, neunter Jahrgang 5623 (1862-1863) (1862)
Date
1862-01-01
Page
Seite 36 (sequence 56)
Language
German
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36 lisches Treiben zu vernehmen. Nur mit Schauer sahen wir dem herannahenden Osterfeste entgegen. „In ihrer größten Bestiirztheit sah die Jsraelitcngemeinde wohl ein, daß nur die Auffindung des vermißten Knaben das einzige Mittel sei, das ihre Reinheit und Unschuld bewähren und sie von den Insulten und Verfolgungen des durch diesen Vorfall im höchsten Grade aufgereizten Pöbels schützen könne. Sie beschloß daher über den Aufenthalt des Knaben Nachforschungen anzustellen, obgleich sie nicht verpflichtet ist, einen vermißten Christenknabcn aufzusuchen. Als man endlich in Erfahrung brachte, daß derselbe im hierkreisigen Dorfe Ruzza sein sollte, schickte sie ein Gemeindemitglied in Begleitung eines Magistratsbeamten dahin, um den Vermißten einzubringcn. Dort angelangt, erfuhren die Aussucher, daß der Knabe auf die Nachricht von ihrer Ankunft seinen Aufenthaltsort bei dem dasigen Bauer Wielonga verlassen, und nach seiner Heimat nach Gtobikowka sich begeben hatte. Sie verfolgten also seine Spur und trafen ihn auf dem Wege bei der Ueberfuhr von Dombien, brachten ihn am 3. dieses mit Einbruch der Nacht in die Stadt, worauf er denn hiesigen Polizcircvisor, dem Herrn Gubermalrathe übergeben wurde. Dieser ließ den Knaben sofort unter amtliche Aussicht bringen und am folgenden Tage von einer eigens hiezu zusammengesetzten Commission beim löbl. Stadtmagistrate über alle erforderlichen Umstände vernehmen, nachdem seine Identität durch den Kläger D. und seinen Dienstboten bestätigt wurde. Er sagte in seiner Naivität, daß er von D. und dessen Frau mehrere Male mißhandelt und schlecht verköstiget wurde, und hierdurch veranlaßt, als er von denselben zum hiesigen christlichen Handelsmanne H., der am Ringe seine Handlung hat, um Kaffee und Zucker zu kaufen geschickt wurde, er aus dem Wege allein gehend, und nicht wie D. verleumderisch angab, daß er mit ihm gegangen wäre, beschlossen hatte, zu entfliehen. Zn Folge dieses Entschlusses

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