Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, neunter Jahrgang 5623 (1862-1863) (1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 34 (sequence 54)
- Language
- German
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34 dieselbe, auf einer Leiter stehend, Ziegel langte, fuhr ein Wagen unten hart an der Leiter vorbei, warf diese um, so daß die Taglöhnerin herunterstürzte, und durch die heftige Erschütterung in Ohnmacht gesunken ist. Da dieser Fall schleunige Hilfe erheischte, so ließ der Bauherr in Ermanglung eines Stadtarztes einen Barbier holen, welcher der Beschädigten zur Ader ließ. Nachdem dieselbe einige Tage die Pflege des Bauherrn genossen hatte, genas sie und begab sich nach ihrer Heimat. Kurze Zeit daraus ließ sich dieselbe von bösen Menschen verleiten, die von den Bauherrn genossene Wohlthat gegen die Juden zu mißbrauchen, worauf sie beim Dominium Tarnow mit der Anklage erschien, daß sie die Juden mehrere Tage lang in einem Keller eingesperrt gehalten, um von ihr Blut zum Osterfeste zu erhalten, und sie erst dann, als auf ihrem Leibe ein Aussatz wahrgenommen, und daher zu diesem Gebrauche für unrein erkannt wurde, sreigelassen hatten. Auf diese Anzeige ordnete das k. k. Rzeszower Strafgericht eine Untersuchung an, wobei es durch den von diesem Borurtheile eben so befangenen commissionirenden Criminalauscultanten so weit ging, daß einige der hierortigen Juden vor dieses Strafgerichte citirt und verhaftet wurden. Wieder dieses Verfahren nahmen die Bedrängten ihre Zuflucht zum hohen k. k. gal. Appellationsgericht, worauf diese einsichtsvolle hohe Behörde mit dem Bemerken den Prozeß gänzlich aufgehoben, daß die aus Haß, Vorurtheil und Unwissenheit des Richters eingezogenen Juden sogleich freigelassen werden sollen. Diese mißlungenen Versuche der Bosheit, welche zu ihrer Zeit großes Unheil stifteten, da die Gemüther des bethörten Pöbels, ja auch vieler angesehenen Beamten durch die verleumderischen Zumuthungen aufgeregt wurden, und allenthalben die Intoleranz und sogar thätliche Persecutionen zu Wege brachten, vermochten aber bis auf den heutigen Tag den dadurch wieder erzeugten Wahn, daß die Juden zu ihrem Osterfeste christliches Blut gebrauchen, nicht