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Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1861-01-01 · Neue Folge, achter Jahrgang 5622 (1861-1862) (1861) · p. Seite 199

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Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
Neue Folge, achter Jahrgang 5622 (1861-1862) (1861)
Date
1861-01-01
Page
Seite 199 (sequence 223)
Language
German
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199 frone entfaltet. Nie haben weichere Hände die Stirne eines Fieberkranken gekühlt, nie hat eine süßere Stimme mitten in die grauenhaften Tränme eines erhitzten Gehirnes hineingetönt. Ans dem Krankenlager behütet und geschützt von Ephraim und Veilchen, hatte sich in dem Gemüthe des alten Spielers eine Läuterung vorbereitet, die für sein ganzes übriges Dasein gelten sollte. Seltsam war es, daß er von dem Ereignisse jener Nacht, mit Allem, was ihr vorangegangen, auch nicht ein leises dämmerndes Bewußtsein hatte. Selbstverständlich hüteten sich die Kinder auch nur mit einem halbangeklungeuen Worte all' dessen zu gedenken, wie der Vater zu ihnen zurückgekehrt — und daß Ephraim das dicke Buch mit der Barschaft neben dem Entseelten gesunden. Anschels erster Gang nach wiedererlangter Genesung war in die Synagoge, um da an heiliger Stätte sein »Dankgebet nach überstandener Gefahr« zu verrichten. ... Sein Haus hat sich wieder aus der tiefen Erniedrigung erhoben, es weht und waltet ein Segen durch alle seine Räume, der beste Kern seines Lebens ist ans Licht gedrungen. Nun wird er gewahrt bleiben. Gudule's »S'chus« hält Wache vor dem Hause!- Welch ein Paar herrliche braune Pferde, an eine schwerfällige Kutsche gespannt, stehen eines Tages vor dem Hause Anschels. Man sieht es ihnen an, der Haber ist in diesem Jahre gut gerathen. Vetter Zossef ist gekommen, um sein erstes Kind, das Gudule heißt, und mit seinen Augen schon jetzt an die Großmutter gemahnt, zu sehen. Denn keiner als Ephraim durfte der Mann seiner einzigen Tochter werden. Da sitzt er, der gmmüthige, schlichte Mann, in jeder Faire seines ehrlichen Gesichtes Glück und Behagen, hie und da noch immer wie es seine Gewohnheit ist, voll gewaltthätiger Absichten gegen seine eigenen Schenkel. Veilchen nennt er noch immer sein kleines »Klippele«. «Nun Veilchen, mein Klippele,« sagt er, »willst Du mir noch

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