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Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1861-01-01 · Neue Folge, achter Jahrgang 5622 (1861-1862) (1861) · p. Seite 157

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Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
Neue Folge, achter Jahrgang 5622 (1861-1862) (1861)
Date
1861-01-01
Page
Seite 157 (sequence 181)
Language
German
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»Und nun will ich Dir sage», Weilchen, mein Kind, was meine Meinung ist, warum der Vogel gerade heute so hell und lustig singt. Ich weiß aber nicht," sagte er und hielt zögernd inne, . . . »ob Dir diese Meinung recht sein wird.« Weilchen sah den Bruder mit ihre» braunen Augen forschend an; nur ihre Lippen zuckten von der zurückgehaltenen Heftigkeit. »Du redest so merkwürdig ernst,« sagte sie und versuchte zu lächeln, »als ob ich . . keinen Spaß gemacht hätte. Darf ich denn nicht fragen wollen, ob so ein Vogel auch etwas vom Sabbat weiß?« »Es gibt ernsthaftere Sachen aus der Welt. . Weilchen, metn Kind,« meinte Ephraim und hielt wieder inne. — »Du erschreckst mich, Ephraim,« sagte das Mädchen und der Ansdruck ihres Gesichtes bewies, daß sie Wahrheit gesprochen hatte. »Rarrele,« sagte Ephraim und ein fluchtiges Lächeln verschwand alsbald von seinen Lippen. »3ch zum Beispiele habe eine andere Meinung über den Gesang des Vogels als Du. .. Ich denk', Weilchen, mein Kind, unser Canarienvögelchen muß etwas davon wissen, . . daß es bald ein anderes Quartier haben wird.« »Du willst ihn doch nicht verkaufen oder verschenken?« schrie das Mädchen entsetzt, und mit einem gewaltsamen Rucke hatte sie den Bruder von dem Käsige entfernt, auf dessen Stäbe sie wie schützend ihre beiden Hände legte. »Verkaufen werde ich ihn nicht, und auch nicht verschenken,« meinte Ephraim, dessen gemessene Ruhe einen seltsamen Gegensatz zu der leidenschaftlichen Erregtheit seiner Schwester bildete. »Werde ich etwas unternehmen, was Dir ein gebrochen Herz machen konnte?... Habe ich mich denn so sehr verändert? Aber nur ein Wort brauche ich zu sagen .. und ich wette, wer der Erste seine Hand in den Käfig steckt, und ihn weit aufmacht und zu dem Vögele sagt: Flieg fort, wohin dich deine Flügel tragen .. das ist Veilchen, meine Schwester.«

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