Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, achter Jahrgang 5622 (1861-1862) (1861)
- Date
- 1861-01-01
- Page
- Seite 153 (sequence 177)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2609281-2609296--4879-2612228- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Generation möge sich einmal in die zwanziger Jahre dieses Jahrhunderts zurückdenken. Das pilpulistische Talmudstudium war dem Verfalle nahe, aber auch das Neue, was man seit Mendelssohn und seinen Schülern gern an dessen Stelle setzte, die hebräisch-grammatischen und jüdisch-philosophischen Studien begannen zu erstarren, viele geistvolle Kopfe wurden indifferent oder wendeten sich gar vom Judenthume ab, zumal das damals herrschende System der heiligen Allianz demselben nicht forderlich war, da erschienen die ersten Bände von Jost's größerem Geschichtswerke! Es war gleich dem Funken, der vom Himmel zuckt, so ward dadurch in vielen jungen Gemüthern die Begeisterung rege, in das alte jüdische Schriftenthum sich auf's Neue zu versenken. Man fühlte nun gleichsam instinctartig, das Judenthum lebe, es hat eine Geschichte, die bürgt für seine Zukunft! Der versiachende Voltairianismus ward allmälig besiegt; es begann jetzt in weiteren Kreisen, wenn auch mit mancherlei Ausschreitungen, der wissenschaftliche Aufbau des positiven Judenthums auf fester Grundlage der Geschichte. So war Jost, wie die talmudische Deutung von Noa sagt, vollkommen in seiner Zeit! Der Beginn seiner Wirksamkeit fällt in eine Zeit, wo das Judenthum außer ihm nur noch wenige Männer zählte, welche die Theilnahme für dasselbe wieder zu erwärmen wußte». Das folgende Geschlecht, das mit an ihm sich bildete, darf Dankbarkeit ihm nicht versagen! So glaube ich denn Ihnen das Bemerkenswerthere der neuesten jüdischen Literatur vorgeführt zu haben. Wie Sie sehen, eine reichliche Spendung, die von großer Rührigkeit der Geister zeigt. Doch wäre der jüdischen Literatur bei allem lobenswerthen Streben im Ganzen mehr Consistenz und Eoncentration zu wünschen. Es tauchen so viele Versuche über allerlei Wissenszweige aus, während es noch an tiefeingehenden Durcharbeitungen mancher wichtigen Disciplinen