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Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1861-01-01 · Neue Folge, achter Jahrgang 5622 (1861-1862) (1861) · p. Seite 99

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Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
Neue Folge, achter Jahrgang 5622 (1861-1862) (1861)
Date
1861-01-01
Page
Seite 99 (sequence 123)
Language
German
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99 Wir hebe» das nicht als rühmlich für die Juden hervor. Wir wollen jedoch damit den Vorwürfen begegnen, die wir einmal von einer sehr maßgebenden Persönlichkeit, welche zu jener Zeit Oesterreich dominirte, aussprechen hörten, als wären Juden unverhältnißmäßiger Weise beim Verbrechen des Diebstahls betheiligt. Wir haben aber die feste lleberzeuguug, daß das Verhältniß sich mit der Zeit sehr günstig für die Juden gestalten wird, wenn der Jude in den rechtlichen Mitteln und Wegen des Erwerbes nicht beschränkt ist. Der Jude war bisher darauf angewiesen, durch künstliche Mittel sich den Erwerb zu verschaffen und wenn die Kunstmittel und Kunstgriffe ausgingen, so nahm so mancher Jude, dem es an wahrer Bildung fehlte, weil die Schulen höchst mangelhaft waren, zum Verbrechen Zuflucht. Die neue Zeit und die neuen Verhältnisse werden einen Umschwung zum Guten herbeiführen, dessen sind wir sicher. Wir hoffen einen ähnlichen Erfolg auch in Beziehung des Vergehens Wucher. Hört man übrigens von mancher Seite das Geschrei über den Wucher der Juden, so sollte man meinen, daß hunderte von Juden im Laufe dieses Jahres sich dieses Vergehens schuldig machen. Wir finden indessen im Jahre 1857 76 und im Jahre 1858 53 Juden wegen Wucher bestraft. In den Rubriken Betrug und Concurs finden wir die Anzahl der Juden in einer viel größeren Masse als dieses dem Populationsverhältniffe entsprechen würde. Es fällt uns nicht ein, die Schattenseiten der Juden beschönigen zu wollen. Man darf jedoch nicht vergessen, daß der bei weitem größte Theil der Juden bis jetzt genöthigt war, Handels- oder Kausleute zu sein. Die Grenze wo die Speculation aufhört und der Betrug anfängt, ist seht leicht überschritten. Man wird daher, wenn man ohne Borurtheil die betreffenden Rubriken prüft, gewiß nicht ein Urtheil gegen die Juden fällen. Wir glauben vielmehr, daß es ein ehrenhaftes Zeugniß für die tausende und tausende jüdischer Kausleute ist, indem im Jahre 1857 7 *

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