Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, achter Jahrgang 5622 (1861-1862) (1861)
- Date
- 1861-01-01
- Page
- Seite 48 (sequence 72)
- Language
- German
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48 Hymnen in vorurtheilsfreier und eben deshalb anerkennendster Weise annahm. Bei der großartigen, ihm angebornen Fertigkeit, sich in das eigenthümliche, innerste, edelste Leben aller Nationen zu versenken, das eigene Interesse diesem fremden Elemente liebend zu eröffnen, erfaßte er auch die tiefe, welthistorische Bedeutung des jüdischen Volkes; mit seiner wunderbaren, alles durchdringenden Macht des Verständnisses erkannte er die Juden für ein auserwähltes Volk der Erde und hielt es »in seinem Ursprünge und Fortleben bis auf den heutigen Tag, in seinem Glücke und Unglücke, in seinen Vorzügen und Fehlern, in seiner Niedrigkeit und Hoheit so winzig, so sonderbar,« daß er »die Geschichte, die Art, die Existenz des Volkes für den ausgemachtesten Beweis der Wunder und Schrift hielt, die wir von ihm wissen und haben. Seine noch unvollendete Führung ist der größte Plan der Zeiten und geht wahrscheinlich bis zur letzten Entwicklung des großen, noch unberührten Knotens aller Erdnationen hinaus.« *) So würdigte er ihre Nationalität, ihre Geschichte, das Göttliche in ihrer Führung; diesem entsprechend war sein Eifer für die Gleichstellung oder wenn der Ausdruck umfassender ist, für die Emancipation der Juden. Nicht genug wundern kann man sich, daß mehr als ein halbes Jahrhundert verstrichen, bis die von ihm ausgestreute Saat zur völligen Reise gedieh, und es erst unserer Zeit so recht eigentlich beschieden ist, seine Ideen in der weitesten Bedeutung zu würdigen. Die Zeit, in welcher dieser große Geist mit seinem großen und edlen Streben austrat, war allerdings ganz dazu geeignet, die Schranken zu durchbrechen und alte Dorurtheile zu stürzen, das Streben nach Humanität war allgemein und durchzog wie ein frischer Frühlingsodem das gesammte Deutschland, rüttelnd an dem abgewelkten Baum vergangener, dunkler Jahrhunderte, und tausend, ') Herder. Zur Philosophie und Geschichte, IX, 150.