Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, achter Jahrgang 5622 (1861-1862) (1861)
- Date
- 1861-01-01
- Page
- Seite 37 (sequence 61)
- Language
- German
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- Odesa 1× ep/1000834
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37 die allgemeine Manifestation des Volksgeistes. Derselbe bewährte sich auch darin, daß die bisher zurückgehaltene Erlaubniß der Erbauung einer großen Synagoge in einem von Juden nicht bewohnten Stadttheile Warschaus nunmehr gewährt wurde. Es läßt sich kaum verkennen, daß diese erfreulichen Fortschritte nach außen mit innern zusammenhängen. Das Gotteshaus, in welchem die allgemeine Trauerandacht begangen wurde, ist klein, aber geschmackvoll gebaut. Es besitzt einen begabten Sänger und an Dr. Zastrow einen tüchtigen polnischen Prediger. Der Bortrag desselben, so wie das Gebet für die Gefallenen versetzte die christlichen wie die jüdischen Hörer in Begeisterung. Es ist aber Zeit, daß man .zum Bau eines großen würdigen Gotteshauses schreitet. Warschau zählt jetzt bei 50,000 jüd. Seelen, 142 Synagogen und Betstuben , von denen die größte 400, die kleinste 30 Personen saßt. Diesem Uebelstand trachtet man nun mit allem Eifer abzuhelsen. In einem kläglichen Conttaste mit solchen Bestrebungen sind die Zustände in Lithauen, und die Berichte über das Cultus- und Schulwesen allda, dem unseligen Chassidismus verfallend, sind sehr betrübend. In Odessa sind zwei neue den jüdischen Interessen gewidmete Zeitschriften entstanden; die eine »Die Morgenröche« von Dr. Zederbaum in russischer, die andere von Dr. Goldenblum in hebräischer Sprache. Allein wo es am meisten Noch thäte, dringt das Licht nicht durch. Die von Dr. Goldenblum zu Odessa Anfangs 1859 errichtete Abendschule für Handwerker hat bei sehr gedeihlichem Fortgang sich das Verdienst erworben, zur Errichtung ähnlicher Anstalten für christliche Schulen Anregung gegeben zu haben. In der Moldau und Wallachei legte ein Rescript des Ministers des Innern das Bestreben der Regierung dar, die bürgerliche Gleichstellung der Israeliten zu vollbringen; doch sei auch ein Entgegenkommen der letzteren und namentlich das Ablegen der absondernden polnisch-jüdischen Tracht erforderlich. Sowohl durch ihr