Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, achter Jahrgang 5622 (1861-1862) (1861)
- Date
- 1861-01-01
- Page
- Seite 35 (sequence 59)
- Language
- German
- Belongs to
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- Riga 1× ep/1000826
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35 Beamten zu besonderen Aufträgen für jüdische Angelegenheiten bei dem Statthalter Fürst Suwarof. Die goldene Medaille zum Tragen am St. Stanislausbande erhielt Julius Stern, Banquier zu Riga. Die Regierung läßt es sich angelegen sein, daß die Kinder der Juden die allgemeinen Schulen ordentlich besuchen; leider aber werden darüber erlassene Befehle vielfach umgangen. Den Plackereien der Unterbehörden sind die Juden in Rußland noch sehr ausgesetzt; besonders ist dies der Fall in Riga, woselbst die Polizei die Juden auf der Straße anhält, um sie über ihre Legitimation zu befragen und aus derselben Ursache sie in ihren Wohnungen Nachts überfallen läßt. Daß auch in Warschau der Judenleibzoll noch besteht, wird mit gerechter Entrüstung beklagt. Bon größerer Bedeutung und Tragweite sind die letzten Vorgänge in Russisch-Polen- Hier sind plötzlich Scheidewände gefallen, woran Vorurtheil, Intoleranz und Brodneid seit Jahrhunderten gebaut, und, was kaum jemals geahnt, fand in Warschau eine innige Verbrüderung zwischen Christen und Juden statt- Die nationale Bewegung, welche so viele Uebel in unserer Zeit verschuldete, hat hier einmal ein heilbringendes Resultat zu Tage gefördert. Die Juden bewiesen durch ihre rege Theilnahme an allen Bestrebungen, daß sie das Land nicht als eine vorübergehende Wohnstätte, sondern als ihr bleibendes Vaterland betrachteten. Dies wurde auch von Seite des großen Publicums sehr wohl gefühlt und es geschah das für Biele Unglaubliche. -Den Rabbinen wurde gestattet, an dem christlichen Leichenbegängnisse der für die gemeinsame Sache Gefallenen in Amtstracht theilzunehmen. Dem Oberrabbiner Meisels wurde als Mitglied der Eintritt in den Bürgerausschuß zugestanden. Der Vorstand der Warschauer Kaufmannschaft beantragte zum Beweise der zwischen den Vekennem der beiden Religionsbekenntnisse bei den jüngsten Ereignissen bewiesenen Sympathie und Toleranz in Zukunft ein einziges Verzeichniß der Warschauer Kaufleute zu führen. Der Antrag wurde