Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, siebenter Jahrgang 5621 (1860-1861) (1860)
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 282 (sequence 308)
- Language
- German
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282 »Ich gehe mit Dir, Maier, wohin Du mich bringst!« sagte sie. Sie wickelte das noch immer schlafende Kind fester in das umhüllende Tuch. »Gib mir das Kind, Blümele!« bat Maier. Es war ein seltsam scheuer Blick, der aus ihren brauner: Augen auf ihn fiel. Sie zögerte einigermaßen und seufzte. Dann reichte sie ihm den Knaben hin. »Und jetzt komm, Blümele! —« Unbemerkt und stille erreichte Maier mit ihr sein väterliches Haus. Gerade als er an die Thüre kam, die er geräuschlos aufsperrte, erhellte sich im Osten ein schmaler Streifen Himmels so rasch und unvermuthet, daß die Beiden mit einen: Male, angestrahlt von dem Widerscheine, im vollen Lichte standen, während ringsherum noch graues Dämmerlicht waltete. Sollte das ein gutes Vorzeichen für Blümele's Eintritt bedeuten? Maier hatte in dem Hause seiner Eltern eine wohleingerichtete eigene Stube in einem thurmartigen, nur durch eine steile Treppe zu erreichenden Aufbau, den man längst zu einem ersten Stockwerke umgestaltet hätte, wäre er nur Willens gewesen, auf gewisse Wünsche von Vater und Mutter aufzuhorchen. Diese kleine Stube war wie eine Burg, unersteigbar für Jedermann, dem ihr Besitzer beit Einlaß nicht gestatten wollte. Dorthin brachte Maier sein Geschwisterkind. Im Hause herrschte die tiefste Stille. Maier legte den schlummernden Knaben in sein noch offenes Bett; erst jetzt sah er, von welcher merkwürdigen Schönheit der Kopf tiefes Kindes sei. Es trug die Gesichtszüge seiner Mutter, wie sie einst selbst ihm entgegengetreten war; aber die Lippen und ein gewisser Zug um die Mundwinkel