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Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1860-01-01 · Neue Folge, siebenter Jahrgang 5621 (1860-1861) (1860) · p. Seite 267

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Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
Neue Folge, siebenter Jahrgang 5621 (1860-1861) (1860)
Date
1860-01-01
Page
Seite 267 (sequence 293)
Language
German
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I 267 jüdische Eltern, die auf Treu und Glauben, daß sie sich einen rechtschaffenen Schwiegersohn einsetzen, ihm ihr Kind, vielleicht ihr einziges Kind anvertrauen werden? So, Esther, mußt Du die Sache betrachten und nicht anders. An ein so geopfertes Kind mußt Du denken, wenn Du die ganze Schlechtigkeit dieses Menschen begreifen willst, und an die Kinder mußt Du denken, denen er einmal Vater sein soll. Können und werden sie von Gott etwas wissen? — Sein Name soll unter uns nicht genannt werden!« Ein leiser Schrei unterbrach ihn. Blümele war ohnmächtig geworden. Mit kreideweißen Wangen und geschlossenen Augen, die Arme schlaff herabhängend, hing sie in ihrem Stuhle. Mit der den Frauen in solchen Fällen eigenthümlicheu Geistesgegenwart sprang Esther ihrer Tochter bei. Sie sprengte ihr kaltes Wasser ins Angesicht, so daß Blümele nach einer kurzen Weile wieder die Augen aufschlug. »Um Gottes Willen!« rief Jacob Löw verzweifelnd,, »soll sie uns denn auch krank werden? . . .« »Sei ruhig, Jacob Löw!« beschwichtigte ihn Esther, indem sie mit ihrer Hand über die todtkalte Stirne Blümele's fuhr; »es wird nichts sein, das Kind hat sich nur uberfastet.« Es währte noch einige Zeit, bis Blümele zur vollen Besinnung gelangt war. Plötzlich stieß sie die Hand ihrer Mutter mit Gewalt von sich, so daß Esther einige Schritte zurücktaumelte. Mit einem herzzerreißenden Schluchzen sank sie vom Stuhle aus den Erdboden, raffte sich dann auf und stürzte zu Jacob Löw, dessen Knie sie umfaßte. »Vater, Vater Leben!« stöhnte sie aus der Tiefe ihrer Seele, »verstoß' mich nicht.« Jacob Löw beugte sich liebevoll zu seinem Kinde herab;, sein Herz war voll Traurigkeit; schon dünkte es ihn, die schwär-

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