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Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1860-01-01 · Neue Folge, siebenter Jahrgang 5621 (1860-1861) (1860) · p. Seite 222

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Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
Neue Folge, siebenter Jahrgang 5621 (1860-1861) (1860)
Date
1860-01-01
Page
Seite 222 (sequence 248)
Language
German
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222 Wenn Zeiten eintraten, wo Israel tief bedrückt und getreten einen Schmerzensschrei gegen seine Dränger ausstieß und die Rache des Himmels wider sie anrief, so liegt das in der menschlichen Natur. Man behandelte die Juden, als wären sie Ausgeburten der Hölle und wollte, daß sie wie die Engel sich benehmen — das war wider die Natur. Zu allen Zeiten aber, wo nicht Haß und Ingrimm den Juden entgegentraten, suchten sie sich ihren Nebenmenschen freundlich und liebevoll zu bezeigen. Das Andenken so manches Würdenträgers der Kirche wurde von den Juden gesegnet und das Gebot der Liebe in unbeschränktem Maße an Andersgläubigen geübt. Wir bringen hier einige Belege aus der ersten Hälfte des 17ten Jahrhunderts. Wir führten in unserem Ferdinand II. (Wien, Braumüller) an, daß Juden im kaiserlichen Heere dienten. Eine hervorragende Rolle in diesen Kriegen spielte der Jude Lazarus Aron aus Lichtenstadt, wie ihm solches von den Generälen Octavio Piccolomini und Gallas bezeugt wird- *) Dieser Lazarus hat sich auch anderweitig ausgezeichnet. Während der Regierung Friedrichs in Prag sollten die Jesuiten diese Stadt verlassen, dabei aber war ihr Leben von Seite des Volkes, welches diesem Orden nicht günstig gestimmt war, mannigfach bedroht. Dieser Lazarus rettete die Patres von der Gefahr. Er versorgte sie mit Civilkleidern, bot ihnen Pferde an und führte sie mit eigener Lebensgefahr, denn sie wurden auf der Flucht stark von Soldaten und sonstigen Leuten verfolgt, bis nach Bamberg. Die Jesuiten bezeugen, daß sie von vielen Katholischen nicht derartige Hilfe erhalten hätten. *) Wir hoffen nächstens ein Charakterbild dieses Mannes zu geben. Es dürfte nicht ohne Interesse für die Geschichte der damals geführten Kriege sein.

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