Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, siebenter Jahrgang 5621 (1860-1861) (1860)
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 211 (sequence 237)
- Language
- German
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211 Beschränkungen der Juden oben an. Seine Parlamentsreden haben zur Zeit nicht wenig zum Sieg der Jubensache in England beigetragen. Alexander von Humboldt haben wir zwar schon im vorigen Jahrgang unfern Nachruf gewidmet. Wir kommen jedoch noch einmal auf ihn zurück, da auch sein Tod innerhalb des Jahres fällt, und der vielbesprochene Varnhagen'sche Briefwechsel — der uns noch nicht Humboldt zum »umgestürzten Götzen« macht — eine wohl nicht uninteressante Nachlese zuläßt. Es sollte — heißt es in einem Briefe Hurnboldt's — in dem Eingang des Gesetzes von dem »Wunder Gottes, die jüdische Nation unter andern Völkern erhalten zu haben, von dem Willen Gottes, die Nation abgesondert zu erhalten,« geredet werden. Ich habe darauf geantwortet: »Das Gesetz ist mit allen Principien einer einigenden Staatsklugheit streitend, es sei eine gefahrvolle Anmaßung der schwachen Menschheit, die uralten Decrete Gottes auslegen zu wollen; die Geschichte finsterer Jahrhunderte lehre, zu welchen Abwegen solche Deutungen Muth geben.« Am 27. Juni 1812 fügt Varnhagen noch hinzu: »Nachträgliches von gestern. Humboldt erzählte mir, er habe den König im voraus benachrichtigt, daß die Akademie der Wissenschaft den Herrn Rieß, einen Juden, als Mitglied ausnehmen wolle; der König habe erwiedert, er würde die Wahl ohne alles Bedenken bestätigen. »Ich hoffe doch nicht, fügte er hinzu, daß Ihr Bruder die Dummheit begangen und in die Statuten gesetzt hat, es dürfe kein Jude in der Akademie sein?« Der Minister Eichhorn wußte, daß der König kein Bedenken habe, ihm selbst aber war die Sache unangenehm, und er glaubte sie auch 14 *