Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, siebenter Jahrgang 5621 (1860-1861) (1860)
- Date
- 1860-01-01
- Page
- Seite 109 (sequence 135)
- Language
- German
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14. März 1860, bei Gelegenheit der beantragten zweiten Lesung der Gottesdienstbill — durch welche der Staatskirche gestattet werden soll, Gottesdienst auch an ungeweihten Orten abzuhalten — hielt es Lord Robert Cecil für fraglich, ob das Haus im Ganzen den eben erwähnten Wunsch des Antragstellers theile, indem vier Herren jüdischen Glaubens im Hause säßen, die ihn füglich nicht empfinden könnten. Mit der Annahme von Juden sei jeder Versuch zur Förderung christlichen Sinnes hier am Unrechten Orte, und eine Beleidigung jener ehrenwerthen Herren. Er selbst bekämpfe den Antrag als revolutionär. Hierauf erwiederte Sir Francis Goldsmidt: Er würde an dieser Debatte keinen Theil gewonnen haben, wenn der edle Lord ihm nicht durch seinen Angriff einige Worte zu Abwehr abnöthigte. Der edle Lord möge sich sagen lassen, daß man als Jude Freiheit für den jüdischen Glauben anstreben und eben so aufrichtig jeder christlichen Kirche ihre Freiheit der Entwicklung wünschen kann. Der Lord- Schatzkanzler hält die Anschauung Lord Cecil's für vollkommen schief und kindisch. Das Christenthum des Hauses habe durch die Zulassung von Juden nicht im mindesten gelitten; er hofft, man werde nicht auf der Bill in ihrer jetzigen Form bestehen. Auch der Minister des Innern Sir S. C. Lewis protestirt gegen Lord Cecil's Bemerkungen. Ein anderes Parlamenrsglied des mosaischen Bekenntnisses — Baron Lionel von Rothschild — hat es nicht unter seiner Würde, aus einer noch viel unscheinbareren Veranlassung für seine Glaubensgenossen einzustehen. Ein armes Judenweib war der Bettelei bezüchtigt worden. Im Laufe der Ver- Handlung führte das Weib zur Vertheidigung an, daß die jüdischen Vorschriften das Fordern eines Almosens überflüssig machten. Der Jnstructionsrichter entgegnete darauf, daß er nicht die