Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, sechster Jahrgang 5620 (1859-1860) (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 284)
- Language
- German
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Nachträgliches zu den Rückblicken auf das letztverfloffene Zahr. In Oesterreich. Die Wiener Zeitung vom 30. Juni 1859 dementirt in einem Leitartikel »das plötzlich ausgetanchte Gerücht eines angeblichen Regicrungserlaffes zur Erneuerung der Vorschrift, wodurch den Juden das Halten christlicher Dienstboten untersagt wird, indem es jeder thatsächlichen Begründung entbehre.« Ebenso wird das Gerücht, daß an dem Erfordernisse der kreisamtlichen Bewilligung zur Schließung einer gültigen Judenehe mit verschärfter Strenge sestgehalten werde, als unbegründet erklärt. Der Artikel schließt mit der Versicherung, daß die Regelung der staatsbürgerlichen Verhältnisse der Israeliten, für welche bereits die nöthigen Vorarbeiten geschlossen sind, in nicht ferner Zeit, und in jenem Geiste des Forschrittes und der Humanität erfolgen werde, welche die Gesitrung unseres Jahrhunderts kennzeichnet. Die übrigen Wiener Blätter glaubten mit diesen Worten einer endlichen gleichberechtigten Stellung der Juden in Oesterreich, wie sie durch das kaiserliche Wort verbürgt erscheint, vertrauensvoll entgegensehen zu können. Die Wiener Israeliten haben sich in den gegenwärtigen Bedrängnissen nicht damit begnügt, an den allgemeinen patriotischen Kundgebungen als Mitglieder der Großcommune theilzunehmen; der Cultusvorstand hat es vielmehr ermöglicht die eigenen kranken Glaubensgenossen aus dem Jsraelitenspital in andere damit in Verbindung stehende Localitäten unterzubringen und das ganze wohleingerichtete und trefflich geleitete Spital ausschließlich der unentgeltlichen Aufnahme und Verpflegung verwundeter Soldaten und Offiziere ohne Confeffionsunterschied zu widmen. Gleich in den ersten Tagen des Aufrufs kamen bedeutende Beiträge zusammen, wobei auch die weniger Bemittelten sich beeilten ihr Schärflein beizutragen. Seine k. k. Hoheit Erzherzog Albrecht geruhten bereits das Spital zu besuchen und Ihre höchste Zufriedenheit über die Einrichtung und Krankenpflege zu bezeugen.