Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, sechster Jahrgang 5620 (1859-1860) (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 239 (sequence 277)
- Language
- German
- Belongs to
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239 angesehen habe? und da hat meine Seele aufgejubelt und ein Muth und eine Freudigkeit sind über mich gekommen, und ich habe mich stark gefühlt wie ein Löwe. Der Lieutenant muß mich auch verstanden haben, was in diesem Augenblicke in meiner Seele vorgeht; denn er hat mir auf die Schulter geklopft uud leise gesagt: »Marcus Spitz, wir beide wollen uns heute besonders brav halten, Du weißt schon warum?« Ja, Herr Lieutenant! habe ich rufen wollen, aber düs Wort ist mir auf der Lippe geblieben. Gerade jetzt ist der Befehl gekommen, unsere Compagnie und noch eine von unserem Bataillon sollen einen Meierhof nehmen, der nicht weit von uns war, und die Franzosen haben ihn schon besetzt gehabt. Herzgeliebte Eltern und Geschwister bis zu hundert Jahren! wie es da zugegangen ist, kann ich Euch gar nicht beschreiben. »Den Meierhof müßt Ihr halten, Kinder,« schreit uns der Obrist nach, »so lang Ihr nur könnt.« Drauf haben die Tambours den Sturmschritt geschlagen, und wir sind auf den Weierhof zugelaufen. Die Franzosen, die da drin waren und auch vor dem Gebäude, wie sie gesehen haben was unsere Absicht ist, haben sich nicht gerührt, bis wir fast ganz in ihrer Nähe waren. Da aber haben sie uns mit einem Gewehrseuer empfangen, daß manchem von uns seine letzte Stunde geschlagen hat. Bor mir und hinter niir sind sie gefallen und nicht weiter aufgestanden, wir aber sind zu dem Meierhofe immer näher herangerückt, denn da darf man sich nicht aushalten, und darf nicht nach rechts und nicht nach links sich umblicken. »Jetzt, Marcus Spitz,« ruft Lieutenant Zion hinter mir, »jetzt zeig' Dich wer Du bist.« Da ist's mir gewesen, als hätte mir einer Feuer in die Adern eingegossen. Hnrrah! vorwärts! Die Franzosen haben nun nicht länger gewartet, sondern sind auf uns losgesprungen, in meinem Leben werde ich das Geschrei nicht vergessen, was sie dabei ausgestoßen haben. Das waren nicht Menschen, sondern hungrige Wölfe, aber wir haben sie auch wie Wölfe empfangen. Das könnt Ihr Euch nicht vorstel-