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Kalender und Jahrbuch für Israeliten · 1859-01-01 · Neue Folge, sechster Jahrgang 5620 (1859-1860) (1859) · p. Seite 229

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Journal
Kalender und Jahrbuch für Israeliten
Volume
Neue Folge, sechster Jahrgang 5620 (1859-1860) (1859)
Date
1859-01-01
Page
Seite 229 (sequence 267)
Language
German
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229 Wie wir nach fünf Tagen in Breschia angekommen sind, war es wieder Nacht, und weil schon so viele Soldaten daselbst waren, daß man in keine Caserne mehr einen Apfel hätte werfen können, so hat man zwei Compagnien von unserem Bataillion in eine alte große Kirche gewiesen, wo man auf dem Fußboden Stroh hat ausgebreitet, daß wir darauf liegen können. Herzliebste Eltern und Geschwister, wie mir da ist zu Muthe gewesen, das kann ich Euch gar nicht beschreiben. Wir waren mehr als fünfhundert Mann beisammen, und die haben alle durch einander geschrieen und gelärmt, die Einen haben geflucht, die Andern gar gelacht, was mir an diesem Orte besonders nicht schön vorgekommen ist. Wenn es jetzt auch keine Kirche mehr ist, habe ich mir gedacht, so ist doch einmal etwas Heiliges darin vvrgegangen, und da soll man nicht lachen, sondern Respect davor haben. Ich habe mir einen Winkel in der Kirche ausgesucht und habe mir daselbst auf dem Stroh mein Nachtlager gemacht; über mir war ein Heiliger aus Stein, der hat wirkliche Kleider angehabt, und weil eine Laterne mit ihrem Lichte auf sein Gesicht gefallen ist, so ist es mir in Einem fort vorgekommen, als wenn er noch lebt, und ist mir dabei gar nicht gut zu Muth gewesen. Da habe ich alleweile an unfern Altvater Jacob.im Chumesch denken müssen, daß der gesagt hat: »Wie furchtbar ist doch dieser Ort!« Mitten in derNacht aber sind viele von den Soldaten aufgestanden, und Einer hat es dem Andern geklagt, daß er vor Hitze und Dunst nicht schlafen kann, ja Einen habe ich gar sagen gehört, er käme sich vor wie auf dem Kirchhof, das will sagen, wie auf unserm »guten Ort«. »Narr,« meinte unser Feldwebel, der auch nicht schlafen konnte und aufgestanden war, »Du bist auch aus dem Kirchhof, denn da unter dem Fußboden, woraus wir jetzt liegen, da sind viele Hunderte von Italienern begraben, und die rühren sich jetzt und geben sich uns zu erkennen.« Herzliebste Eltern und Geschwister Leben bis zu hundert Zähren! Da

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