Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, sechster Jahrgang 5620 (1859-1860) (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 225 (sequence 263)
- Language
- German
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225 gewöhnen, und wie wir in Triest angekommen sind, da hat uns nur Eines weh gethan, das darf ick aber aus Respect nicht mit Namen sagen. Herzliebste Eltern und Geschwister bis zu hundert Jahren, was sieht und erlebt man nicht Alles, wenn man weit herum kommt! Da ist zwischen Wien und Graz ein Berg, der heißt Semmering, über den fährt man gerade mit der Eisenbahn hinauf, und sind da finstere Keller, wo es eine Viertelstunde dauert, bis man wieder hinaus kommt, und wenn man draußen ist, sieht man die Eisenbahn über seinem Kopfe! Es ist Gotteswunder! Da sind wir nun in Triest, was eine große und schöne Stadt ist und liegt am Meer. Wir werden aber nicht daselbst bleiben, sondern wir müssen weiter nach Jtalium hinein, und sind die Schiffe schon bereit. Wohin noch, das weiß nur der lebendige Gott! Wir müssen fast immerfort in der Caserne bleiben, weil man keinen Augenblick wissen kann, ob wir nicht stantepe aufbrechen müssen. Noch ein Stücke! muß ich Euch, herzliebste Eltern und Geschwister bis zu hundert Jahren, von meinem Cameraden Waolaw Jaresch erzählen. Ihr werdet daraus entnehmen, wie ev’8 mit mir meine. Vorgestern ist die Reihe des Auskochens an mir gewesen, denn ihr müßt wissen, daß wenn man Soldat ist, so muß man auch kochen können, aber Euch es nicht schmecken, denn da wird Suppe und Fleisch und Knödel, Alles in einem Kessel gekocht, aber dem Soldaten schmeckts doch, weil er einen gewaltigen Hunger dazu mitbringt. Wie ich also beim Kessel stehe, hör' ich, wie Waolaw Jaresch zu einem andern Cameraden sagt: »Du, hör', was meinst Du, wird der Jud' uns gut kochen?« Obwohl mir nun das Wort sehr wehe gethan hat, Hab' ich doch dazu geschwiegen, weil ich am Kessel war. Aber Abends nach dem Zapfenstreich, wie unser ganze Zug auf der Stube beisammen war, da habe ich sehr sanft zu ihm gesagt, wie man nur zu einem Landsmann reden kann: »Du, Jaresch, J-chrb. f. Jsr. 186(1. lö