Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, sechster Jahrgang 5620 (1859-1860) (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 215 (sequence 253)
- Language
- German
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215 r dem Kopfe beifällig nickend, »gerade so machte der Napilion auch! Der könnte die ganze Weit ruiniren, von oben bis unten, und möchte kein Augenblick darüber unschlüssig sein, blos damit die Anderen alle nicht bestehen, und er allein dasteht.« »Der jetzige Napoleon auch?« fiel hier Lippmann Schneider trotz der vorhin empfangenen Zurechtweisung ziemlich vorlaut ein. Der alte Buchhalter that, als habe er nichts gehört. Die staarblindcn Augen unverwandt auf den Goldarbeiter gerichtet, fuhr er fort: »Die Sacks ist die. Früher hat der Napilion, wenn er mit Einem hat etwas anfangen wollen, gar nicht viel geredet; er hat gleich zugegriffen, und ehe man noch zur Besinnung gekommen ist, was er denn eigentlich will, war cs schon zu spät. Der Napilion hat alle Henkelthaler für die ganze Welt machen wollen. Dazumalen war er jung und hat hitziges Blut gehabt. Jetzt ist er alt, und da redet er früher! Zn der Sach' ist's aber einerlei! Er will unser Land ruiniren. Darum sagt er: Ich bin mit Oesterreich nicht zufrieden!« Es entstand eine lange Pause; alle Anwesenden fühlten, daß der alte Mann trotz seines von einer einzigen Idee eingenommenen Denkvermögens eine unläugbare Wahrheit ausgesprochen hatte. Endlich meinte der Goldarbeiter mit einem Seufzer: »Mir scheint, mir scheint, es wird jetzt eine Zeit kommen, wo keine meiner Bäuerinnen nach einem Henkelthaler Begehren tragen wird!« »Josua Goldschmied,« rief der Buchhalter, nachdem er ein zorniges Husten unterdrückt hatte. »Du denkst an die Henkelthaler von deinen Bäuerinnen, und unser Land, unser Gut und Hab' steht aus dem Sprung' von dem Franzosen ruinirt zu werden? Meinst Du, unser Kaiser und König kann fich so eine Beleidigung ins Gesicht hineinschleudern lassen? Mir sünfundachtzigjährigem Manne