Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, sechster Jahrgang 5620 (1859-1860) (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 213 (sequence 251)
- Language
- German
- Belongs to
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213 Seite durch einen ziemlich empfindlichen Fußstoß ans das Unziemliche seines Benehmens aufmerksam gemacht. Der Ertheiler dieser zarten Belehrung war Joftl Spitz, der Hausherr selbst, der mit Recht einer gewaltsamen Störung der Gastlichkeit bei Zeiten vorgreifen wollte. Der Schneider blickte auf, verstand aber sogleich die Absicht des Hausherrn, indem dieser durch ein pantomimisches Zeichen — ein Klopfen mit dem Finger aus der eigenen Stirne, während er dabei einen raschen Blick nach dem Buchhalter warf — die nutzlose Mühe andeutete, denselben von einer eingewurzelten Ansicht abbringen zu können. »Recht haben Sie, Rebb Feiwel Leben,« rief Josel Spitz, »Gottes Recht, daß Sie dem da die Wahrheit so ins Gesicht hineinsagen. In dem kleinsten Fingerl von Ihnen steckt mehr Weisheit als in seinem ganzen Schnciderleib. Was versteht denn er von solchen Sachen? Einen Rock kann er machen, daß er wie gegossen sitzt und ein Paar Hosen, aber alles Andere, und besonders das, was Sie verstehen, ist in seinem Gehirne nicht zu finden.« Lippmann Schneider lächelte zu diesen Worten bittersüß. Trotz des zweifelhaften Lobes, das Josel Spitz seiner Profession ertheilte, mundete ihm dennoch die handgreifliche Andeutung auf »alles Andere, das er nicht verstand« nur wenig; denn es war eine wellbekannte Thatsache, daß die Hand, die einer Hose meisterhaft zum Leben verhalf, nicht einmal die Rechnung nicderzuschreiben wußte, die ihm die Kundschaft- -für eben diese Hose zu zahlen hatte. Aber der Schneider besaß ein gutes Gemüth und das beruhigte sich schnell. »Was haben wir da davon?« rief ein Anderer der um den Lisch Sitzenden, Josua Goldarbeiter, »was haben wir da davon, ob der Schneider glaubt oder glaubt nicht, was Rebb Feiwel jedenfalls besser weiß, als er? Ich frag' nur Eins: Wenn der Napoleon leben will, wird er Lippmann Schneider erst um Erlaubniß