Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, sechster Jahrgang 5620 (1859-1860) (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 182 (sequence 220)
- Language
- German
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182 Da hat es denn nicht an Zeitungsschreibern gefehlt, die gerade diese letzteren, die Juden betreffenden Satzungen des Conciliums von 1267 in aller Ausführlichkeit übersetzt, veröffentlicht und besprochen haben, nicht ohne den ostensiblen Zweck sie dem zweiten Wiener Concil ans Herz zu legen. Als dann bald darauf mitten in der Reichshauptstadt von einer Kanzel herab die ernstlichen Gefahren, die aus den bestehenden „ ' s 'Beziehungen der Gläubigen zu Juden und Ketzern der Kirche drohen, nachgewiesen und daran eindringlichere Ermahnungen geknüpft wurden, als ferner, wie verlautet, sogar der Beichtstuhl dazu benutzt wurde, um diesen Gefahren entgegenzutreteu, da verbreitete sich wirklich durch viele deutsche und fremdländische Zeitungen das Gerücht, daß in unserem neunzehnten Jahrhundert manche die Juden betreffende Concilienbeschlüsse des dreizehnten Jahrhunderts erneuert werden sollten. Glücklicherweise hat sich dieses Gerücht als völlig grundlos erwiesen. Daß es aber überhaupt nur verbreitet und geglaubt werden konnte, beweist, daß man doch nur gar zu häufig die gründliche Verschiedenheit, die trotz Jesuitismus und Reaction zwischen unserem und dem Zeitalter der Kreuzzüge besteht, übersieht, daß man vergißt, wie Satzungen, die vermöge des ihnen innewohnenden Geistes selbst nicht in der Zeit ihrer Entstehung zu voller Wirksamkeit gelange» konnten, welche, Dank dem unaufhörlich vorwärtsschreitenden Menschengeiste, längst abgethau und zu Grabe getragen sind, nimmermehr zu kräftigem Leben erweckt werden können. Vergegenwärtigen wir uns diese Satzungen und versuchen wir ihrem Verständnisse näher zu treten, sie in ihren Wirkungen zu beobachten. Es ist, wenn wir es recht machen, ein doppelt lohnendes Beginnen. An dem Bilde einer düstern Vergangenheit wird uns der Unterschied zwischen Einst und Jetzt recht klar entgegentreten: wir werden Trost schöpfen für die Mißstände der Gegen- 11527374