Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, sechster Jahrgang 5620 (1859-1860) (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 90 (sequence 128)
- Language
- German
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90 wurde abgelehnt: aber — mit 23 gegen 22 Stimmen. Doch hatte auch eine ähnliche Supplik der Monaer und Kieler Katholiken kein besseres Schicksal, ein Beweis, daß die Unduldsamkeit gegen Juden keine particuläre ist und nur noch schwach vertheidigt wird. In Würtemberg wurde der Staatsbeitrag zu den israelitischen Cultusbedürfnissen von fl. 6000 aus fl. 7000 erhöht. Unter 244 Rechtsanwälten sind 24 jüdische, die meisten in Stuttgart und Ulm. Im medicinischen und technischen Fache haben mehrere Juden Staatsbedienstungen erhalten. Bon den kleinern deutschen Staaten fährt Hessen-Darmstadt fort seine liberale, Hessen-Cassel seine illiberale Gesinnung zu bethätigen. Lippe-Detmold erließ ein neues Edict, das zwar den Juden neue Freiheiten eröffnet, sie jedoch bei Staatsbedienstungen von richterlichen und polizeilichen Aemtern ausschließt, und sie im Unterrichtswesen auf Handel und Geschäftssächer beschränkt, auch das active und passive Wahlrecht bleibt ihnen versagt. In Oldenburg wurde eine sehr liberale Verordnung in Betreff der jüdischen Verhältnisse publicirt. In Frankfurt wurden vier Juden in den gesetzgebenden Körper gewählt: die Advocaten Neukirck und Maas, der Buchhändler Jos. Ruller und der Kaufmann Simon E. Speyer. In Hamburg schleuderte der Pastor Mallet aus Bremen das Anathem gegen die Juden von der Kanzel. Als Gegenstück hielt der rühmlichst bekannte Prediger Frankfurter am Versöhnungstage, eine Predigt, in welcher er den Geist des Friedens und der Toleranz im Judenthum hervorhob. ') L) Er schloß mit den Worten: »Darum halten wir fest an unserem Bekenntnisse, folgen wir treu unserer Lehre, die Segen werden will den Völkern, Segen, nicht Fluch, und mit den Worten dieser Lehre und in ihrem Geiste sprechen wir aus