Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, fünfter Jahrgang 5619 (1858-1859) (1858-1859)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 346 (sequence 390)
- Language
- German
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Seine sechse sieht der Vater drunter, Seinem siebenten das Leben gilt es, Und er faßt, wie auch sein Haar sich sträube, Nach dem Todtenhemd am Grab daneben. Schaum bedeckt den Mund ihm, kam' der Tiger, Kam' der Löwe, wild mit ihm zu streiten, Wollust war' es, aber graunvoll find die Stillen Todten rings an seinen Seiten. Plötzlich hält der Tanz, und jeder Todte Nimmt sein Leichenhemd und steigt zu Grabe! Einem fehlt das seine, und er sucht eS An den Gräbern rings, der blaffe Knabe. Da erblickt er's in der Hand des Fremden, Jammernd lauft er nach durch Platz und Gaffen, Auf der Ferse folgt er, jetzt und jetzt Glaubt der Flüchtling, wird er kalt ihn fassen. Hu, das war ein gräßliches Verfolgen! Doch schon harrt der Rabbi an der Schwelle, Ruhig greift er nach dem Todtenhemde: Steh' mir Rede, luftiger Geselle! Magst Pu fleh'n und bitten, ehe geb' ich Nicht das Hemd zurück in Deine Hände, Bis Du mir gehorsam nicht verkündet, Was die Macht der bösen Seuche ende. Und das Kind, des kühlen Schlafs bedürftig, Sagt ihm endlich: Zwei unkeusche Weiber Schänden Israel, nicht eher flieht die Seuche, bis erschlagen ihre Leiber. Nimm Dein Todtenhemd und geh' zur Ruhe! Ruft der Meister, aber mit dem Hammer Schlägt er an das Thor, und seine Stimme Braust entsetzlich wie Profetenjammer.