Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, fünfter Jahrgang 5619 (1858-1859) (1858-1859)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 253 (sequence 297)
- Language
- German
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25 3 Die Federschleißerin hatte zu viel Ehrfurcht vor Julius Arnsteiner als Lehrer und Mensch, um nur einen Augenblick daran zu zweifeln, daß diese ungewöhnliche Redeweise ganz anderswo zu suchen sei, als im Munde des Lehrers. Aber fi? sah etwas wie ein Wirthshaus, woraus Gläsergeklirr und heisere Bierstimmen klangen, vor ihren Augen und so senkte sie diese beschämt zu Boden. »Nun, FranChanne," riefArnsteiner, »wie sagt man zu einem Menschen, der sein Leben wieder gefunden, oder mit einem Worte, der ein großes Glück gemacht hat, der z. B. von einer schweren Krankheit genesen ist?« »Gut Glück,« sagte die Federschleißerin zögernd. »Ich danke Ihnen, Frau Channe,« erwiederte der Lehrer mit einem Male höchst feierlich, »ich nehme es als ein gutes Zeichen, daß dieser Wunsch mir zuerst von Ihnen entgegenkommt.« Bisher hatte Sali, die ihren wunderbaren Winkel sogleich beim Eintritte des Lehrers verlassen, den Mund nicht geöffnet; bleich, mit weit aufgeriffenen Augen stand sie da und vernahm die sonderbare Unterredung, deren geheimen Sinn nur sie allein richtig zu deuten verstand. »Und was wünschest Du mir, Sali?« wandte sich der Lehrer plötzlich zu dem Mädchen; ein vielsagendes Lächeln schwebte dabei um seinen Mund. »Gut Glück!« antwortete das Mädchen fröstelnd. »Sonderbar,« murmelte Arnsteiner unvernehmbar den beiden Frauen vor sich hin, indem er über Sali's Wesen einen prüfenden Blick warf, der eine geraume Weile dauerte. »Sonderbar, wie der Mensch nur so mit Blindheit geschlagen sein kann, nach einer Distel zu greifen, während ihm in seiner nächsten Nachbarschaft eine Rose entgegenblüht.« Bon dem Mädchen ab wandte sich der Lehrer wieder zur Mutter; die Federschleißerin sah mit immer mehr wachsendem