Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, fünfter Jahrgang 5619 (1858-1859) (1858-1859)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 234 (sequence 278)
- Language
- German
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234 »Sa,« sagte Sali beinahe flüsternd, indem sie sich zu dem schönen Mädchen neigte; »ich habe Ihnen einen Brief von Einem zu übergeben.« »Mit wem steh'ich denn in Korrespondenz?« ries Sidoni« mehr verblüfft als verwundert. Sali holte mit einem raschen Griffe den Brief hervor und überreichte ihr ihn. Kaum hatte Sidonia den Blick aus die in zierlich geschwungenen Buchstaben geschriebene Adresse »an das wohledle Fräulein Sidonia Winterfeld« geworfen, als sie in ein heftiges Gelächter ausbrach. »Was kann der mir zu schreiben haben?« rief sie dazwischen. »Um Gottes willen,« sagte Sali ängstlich, »lachen Sie nicht so laut, es könnte Einer hören, und Herr Arnsteiner will nicht, daß ein Anderer den Brief zu lesen bekommt, als Sie, Fräulein Sidonia.« »Ich erschreck, Sali,« lachte Sidonia, »es wird doch keine Sprachlehraufgabe sein, die er mir schickt, weil er nicht selbst kommt? Heut' mach' ich sie nicht, das kannst Du ihm ausrichten, ich muß mich mit meinem Aufläufe beschäftigen.« »Lesen Sie nur, Fräulein Sidonia,« sagte Sali durch dieses Benehmen ganz kleinlaut geworden, »es soll in dem Briefe etwas ganz Anderes stehen — etwas ganz Anderes, was sehr traurig ist.« »Er wird sich doch nicht ins Wasser stürzen wollen?« lachte wieder Sidonia und riß hastig das Siegel auf. Während sie nun das Schreiben des Lehrers las, hatte die kleine Sali Gelegenheit, die Gesichtszüge Sidonia's auf das Genaueste zu studiren; sie wandte nicht ein Auge von ihr ab. Sah man so aus, wenn man einen so traurigen Brief von Herrn Arnsteiner zu lesen hatte? Das Erste, was Sidonia nach