Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, fünfter Jahrgang 5619 (1858-1859) (1858-1859)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 229 (sequence 273)
- Language
- German
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229 »Gut, Sali!« rief der Lehrer, »gut, Du sollst Recht behalten. Ich suhle es, es muß ein Entschluß gefaßt werden. Wenn Du aus der Mythologie wußtest, in welcher Art die gewappnete Pallas zur Welt kam, wie sie nämlich geharnischt und gespornt aus dem Kopfe ihres Vaters heraussprang, was nach meiner Deutung nichts Anderes heißen soll, als daß alle Weisheit gleich fertig aus dem Gehirne des Menschen kommt, so würdest Du begreifen, warum ich Dich mit den Worten anspceche: Du bist meine Pallas!« »Heißen Sie mich nur lieber Sali!« rief das Mädchen. »Ja, meine Pallas,« fuhr der Lehrer fort, »ich will dasjenige ausführen, was sich in einfältiger Weisheit aus deinem Kopfe losgerungen hat. Sidonia wird antworten, das weiß ich! Heute Abend bringe ich Dir den Brief, Du sollst mit Julius Arnsteiner zufrieden sein!« Folgendermaßen lautete der Brief des Herrn Arnsteiner: »Wohledles Fräulein Sidonia! j »Als mir vor drei Tagen Ihr Herr Vater, in welchem ich trotz aller Selbstachtung, die der gebildete Mensch sich selber schuldig ist, dennoch das väterliche Ansehen, das doch die Grundlage alles j Familien- und Staatenglückes bildet, verehren und anerkennen muß,! den Vorwurf machte, ich hätte mit Ihnen das Kopfrechnen vernachlässigt, da fühlte ich, wie sich mein Herz vor jähem Schmerze zusammenkrallte. Dieses Kopfrechnen ist eine Axt, die an den mit weit ausgespannten Aesten und Zweigen geschmückten Baum meiner stolzesten und schönsten Hoffnungen gelegt ward, und der sie schwingt, ist Ihr Herr Vater, Fräulein Sidonia! — O! ein Julius Arnsteiner täuscht sich nicht so leicht! Wohl weiß ich, was dieses Kopfrechnen zu bedeuten hat; es bedeutet, daß auch für Sie, wvhledles Fräulein, jene von mir stets gefürchtete Stunde gekommen ist, in