Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, fünfter Jahrgang 5619 (1858-1859) (1858-1859)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 216 (sequence 260)
- Language
- German
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216 die eben geschilderte Scene gestürzt hatte. Da gab er sich all den wilden Geistern hin, die seit sechzehn Jahren in Gestalt von bildungslosen Vätern und Müttern an seinem Leben nagten; da fühlte er schmerzlich die Demüthigung, daß ein Lazar Winterfeld es gewagt hat, seine Lehrmethode einer Prüfung zu unterziehen. Erst als der Lehrer in diesen beinahe unerträglichen Gedanken mit einer gewissen selbstzersieischenden Gier sich hineingewühlt hatte, daß dieser Gedanke aussah wie ein durchlöchertes Sieb, kam ihm der andere zum Bewußtsein, daß nämlich Sidonia Winterfeld Braut werden sollte. Also wieder Eine! Die lange Reihe der Treulosen hatte noch kein Ende,und diesmal war es — Sidonia Winterfeld! Sonderbar! Wenn sonst ihm dieser Schlag von Seite der Väter und Mütter versetzt wurde, erholte er sich in nicht gar langer Zeit; wer viel und oft verliert, wird zuletzt gleichgiltig. Dazu war er ein viel zu treuer Lehrer, als daß er die anderen ihm treu gebliebenen Schülerinnen durch üble Laune oder Strenge gequält hätte, weil er ein Mißgeschick erfahren hatte. Diesmal jedoch saß die Wunde tiefer, der Lehrer nahm die Verlobungsanzeige seiner Schülerin nicht mehr so leicht hin, daß er mit jenen Höflingen beim Hinscheiden eines Königs ansgerufen hätte: »Die Schülerin ist todt! Es lebe die andere — die noch nicht Braut ist!« Zu dieser Entsagung fühlte sich Julius Arnsteiner nicht im Geringsten gestimmt. — Gerade weil Sidonia's Vater Lazar Winterfeld hieß, glaubte er um so weniger berechtigt zu sein, in selbstmörderischer Feigheit ferne zu stehen, und zuzusehen, wie ein Anderer sich dieser kostbaren Beute bemächtige. Julius Arnsteiner nahm sich nicht einmal die Mühe, darüber nachzudenken, wer dieser Andere sein könnte. In unbestimmter Form schwebte ihm die bildungslose Masse irgend eines Woll- oder