Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, fünfter Jahrgang 5619 (1858-1859) (1858-1859)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 211 (sequence 255)
- Language
- German
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211 tin, wie etwa die Diana oder die Zuno gewesen sei. Zm Gcgentheil! Sie hatte nur etwas Göttliches an sich, sonst war sie ein Mensch mit den Leidenschaften und Begierden eines solchen. — Wie hätte sie sich sonst in solche Klagen ergießen, solche Verzweiflimgstöne erklingen lassen, sich so geberden können? Göttinnen benehmen sich nach meiner Ansicht ganz anders.« »Nun, Herr Arnsteiner,« fiel Lazar Winterfell» laut wie eine Trompete ein, »da frag ich Sie, sind das nicht »Schnokes« und verkehrte Sachen, die Sie da meiner Tochter in den Kopf setzen? — Was gehen mich, was gehen meine Tochter die Götter an? Leb' ich von den Göttern? Hab' ich meine Nahrung von den Göttern? Und wenn meineTochter die Sachen nicht wissen wird, wird sie darum unglücklich sein? Ich kenne mehr Leute, die nichts von den Göttern wissen, und befinden sich dabei, Gott Lob und Dank, ganz wohl.« Julius Arnsteiner zuckte nur statt aller Antwort mit der Schulter; dieses Stolzthun auf die eigene Unbildung, dieses Erheben der Ignoranz zum Princip that ihm zwar in innerster Seele wehe, aber das verdiente keine Erwiederung. Er sah in's Buch, und kaum daß der Wollhändler geendigt, begann er einen neuen Satz aus dem Telemaque. »Da soll mir ein Mensch das erklären, was meine Tochter mit »Französisch« anfangen soll, wenn sie einmal Mann und Kind hat?« eiferte auf's Neue Lazar Winterfeld, so daß der Lehrer genöthigt war, sich wieder zu unterbrechen. »Französisch soll sie können und wissen soll sie von den Göttern! Wenn aber der Mann einmal zu ihr sagen wird: »Schreib mir einen Brief an den und den Schuldner, aber einen ordentlichen Brief, daß ihm grün und gelb vor den Augen wird,« dann wird etwas herauskommen, daß Einen Gott behüten und beschützen soll davor! Französisch wird der Brief sein, aber teutsch nicht.« 14 *