Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, fünfter Jahrgang 5619 (1858-1859) (1858-1859)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 164 (sequence 208)
- Language
- German
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164 in denen sich in der von Büdinger behandelten Epoche das geschichtliche Leben der europäischen Völker bewegt: das Römerthum mit seinem Staatswesen und seiner Cultur, das Ehristenthum in seiner civilistrenden Macht, das Germanenthum, das hier ordnend und staallich organisirend austritt, so werden wir durch Büdinger eingehend belehrt, wie die in den Kreis seiner Betrachtung hinein gehörenden Völker sich zu den bezeichneten Culturelementen verhalten haben. So viel Aufmerksamkeit dabei, der Aufgabe einer Specialgeschichte entsprechend, der vollständigen Behandlung localer und individueller Verhältnisse und Thatsachen gewidmet ist, wir gewinnen Interesse für alle diese Details, weil es uns zugleich ermöglicht ist, von dem Einzelnen zum Allgemeinen, von den Ereignissen zu ihrem Verständnisse vorzudringcn. Mit einem Worte, das Büdinger'sche Werk befördert eben so sehr das Verständniß, als die Kenntniß der österreichischen Geschichte. Freilich ist es darum nicht frei von allen Fehlern: die Fachmänner werden gegen manche Resultate der Einzelforschungen, die in demselben enthalten sind, Einwendungen zu erheben haben; der dem größeren Kreise der Gebildeten angehörende Leser wird die Darstellung hie und da zu knapp und zu Vieles voraussetzeud finden, er wird wünschen, daß an manchen Stellen der erzählende Ton den Vorrang hätte vor dem kritisch räsonnirenden. Sicherlich aber werden Alle nicht blos von den schon erwähnten Vorzügen, sondern ganz vorzüglich noch von der Lebendigkeit der Darstellung, von dem Ernste und der Wärme, die das Ganze durchdringen, sich angezogen fühlen, und allgemein wird man anerkennen, daß Büdinger sich durch sein Buch ein großes und bleibendes Verdienst um die österreichische Geschichte erworben hat. Mehr ihres Strebens als ihrer Leistungen wegen find hier noch zwei Namen zu nennen. Ludwig Oelsner aus Breslau, jetzt Lehrer am Philan-