Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, fünfter Jahrgang 5619 (1858-1859) (1858-1859)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 143 (sequence 187)
- Language
- German
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143 ständniß das, was ihm frommt, erkennen, wenn ihm die Bahnen unbekannt geblieben sind, auf denen sich das nationale Leben bis dahin bewegt hat. Das erkannten die Männer, die an der Befreiung der Nation arbeiteten, sehr wohl; Keiner aber war so tief davon durchdrungen, wie der Freiherr von Stein, jener Mann, den jeder Deutsche mit Verehrung und Stolz nennen wird, so lange in ihm noch Verehrung für wahre Größe und echten Adel der Gesinnung sein wird. Sobald daher Stein durch eigenes Studium sich davon überzeugt hatte, daß aus den damals vorhandenen Darstellungen der deutschen Geschichte kein klares Bild unserer Vergangenheit sich gewinnen lasse, daß ferner bei der Zerstreutheit und Lückenhaftigkeit der Quellenschriststeller eine solche Darstellung überhaupt unmöglich sei, beschloß er, diesem Zustande unserer Geschichtsliteratur ein Ende zu machen. Nach Ueberwindung der mannigfachsten Schwierigkeiten stiftete er am 30. Januar 1819 zu Frankfurt a. M. die Gesellschaft für ältere deutsche Geschichtskunde. Mit dem Wahlspruch: Sanctus amor patriae dat animum (heilige Liebe zum Vatcrlande gibt Muth) sollte diese Gesellschaft, in welche die bewährtesten deutschen Historiker ausgenommen wurden, nach der gründlichsten Durchforschung der bedeutendsten Bibliotheken und Archive Deutschlands und der Nachbarländer, eine umfassende, kritische Sammlung aller vorhandenen Quellen zur deutschen Geschichte vom Zahre 500 —1500 n Ehr. veranstalten und herausgeben. Nach fast vierzigjährigem Bestehen finden wir die Gesellschaft noch in eifriger Thätigkeit. Sie hat ihr Ziel noch nicht erreicht, dennoch haben ihre Leistungen und ihre Wirksamkeit schonjetzt weit größere Dimensionen gewonnen, als man ursprünglich erwartet hat. Unter