Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Kalender und Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- Neue Folge, fünfter Jahrgang 5619 (1858-1859) (1858-1859)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 47 (sequence 91)
- Language
- German
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47 . III. Wie es der Indenschule alle Zeiten ergangen sei. »Und forschet an der Vorzeit Tritten, wo der We zum Heile sei.« Jer. 6, 16. Völker sind gar zahlreiche Schülerschaften, und die Geschichte daher ein sehr langsamer Schullehrer. Leicht ist es für uns an einem kleinen Bruchtheile der Menschheit in wenigen Stunden zu vollziehen, wozu die Geschichte Jahrhunderte gebraucht hat, den Fußsteig zu finden, wo fie die Heerstraße angebahnt hat. Der Pädagog sucht daher aus ihren Spuren Weisung und Vorbild, und auch wir werden mit Nutzen die vier Gestalten betrachten, die in der Zeiten Wandel die Judenschule angenommen hat. Diese schläft nämlich im ersten Zeiträume, wie das Keimlein im Erdenschooß, guckt im zweiten Jahrhundert aus dem Boden, erhebt fich allgemach zum stattlichen Baume mit reichem Ast- und Zweigwerk. Im dritten Zeiträume verfärbt fich das Laub, fällt ab, und läßt den Baum erbärmlich nackt zurück, bis fich vor hundert Jahren ein gewaltiger Sturmwind erhob, der manchen Zweig gebrochen, manchen Ast beschädigt, und was daraus werden soll, weiß man bis zur Stunde noch nicht; — und jetzt will ich Euch das hie und da genauer erzählen: Also, sage ich, erstlich war die Schule noch gar nicht da; denn trotz aller Begabung für religiöse Erkenntniß sind doch die Juden das einzige Volk des Alterthums, von dem man nicht sagen kann, es sei der Schöpfer seines Gottes gewesen. Die Religion wuchs hier nicht im jeweiligen Fortschritte aus dem Volke heraus, sondern trat als Offenbarung, als eine von außen stammende, bereits fertige Lehre aus. Sie blieb daher zunächst die Religion der Elite, und war so wenig volksthümlich, daß sie von der Masse wohl